Wirtschaft: Reform des EU-Emissionshandels
Saarbrücken () – Kurz vor den erwarteten Reformvorschlägen zum EU-Emissionshandel warnt Stefan Rauber, Chef der Stahlhersteller Saarstahl und Dillinger Hütte, vor den Folgen einer Abschwächung des wichtigsten Klimaschutzinstruments in Europa. Unternehmen, die nicht transformieren, könnten „länger und günstiger CO₂-intensiv produzieren“, sagte Rauber dem „Spiegel“.
Das mache es auch für Kunden unattraktiver, grünen Stahl zu kaufen.
Der Saarstahl-Chef befürchtet, dass die geplante Reform den Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft gefährden wird. „Je stärker der Emissionshandel aufgeweicht wird, desto unattraktiver werden Investitionen in die Produktion von Wasserstoff“, mahnte Rauber.
„Das ist ein Risiko für uns: weniger Anbieter, höhere Kosten.“ Saarstahl und Dillinger Hütte investieren mit staatlicher Förderung 4,6 Milliarden Euro in einen klimagerechten Umbau der Stahlproduktion.
Dabei waren die Beteiligten von weiter steigenden CO2-Preisen ausgegangen.
Die EU-Kommission will voraussichtlich am 17. Juli eine Reform des Emissionshandels vorschlagen, um kriselnde Industriebetriebe zu entlasten. Diskutiert wird unter anderem, die Ausgabe neuer Ausstoßrechte doch nicht so schnell zu reduzieren wie ursprünglich geplant.
Brüssel erwägt als Ausgleich, Vorreitern zusätzliche Zertifikate zu geben.
Falls sie diese nicht benötigen, könnten sie die Emissionsrechte an andere Betriebe weiterverkaufen, die mehr CO2 ausstoßen. Die Höhe der Entschädigung wäre angesichts schwankender Preise jedoch kaum planbar.
„Das klingt in der Theorie gut, in der Praxis wäre es ein Börsenspiel“, kritisierte Rauber. „Wir würden das Risiko tragen, dass der CO2-Preis fällt, statt zu steigen.“
| Text-/Bildquelle: | Übermittelt durch www.dts-nachrichtenagentur.de |
| Bildhinweis: | Stahlproduktion (Archiv) |
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Saarland - Was ist passiert – was dahinter steckt
Was ist passiert?
- Stefan Rauber warnt davor, dass eine Abschwächung des EU-Emissionshandels dazu führen könnte, dass Unternehmen länger und günstiger CO₂-intensiv produzieren, wodurch grüner Stahl für Kunden unattraktiver wird
- Rauber befürchtet, dass die Reform Investitionen in Wasserstoffproduktion weniger attraktiv macht und damit weniger Anbieter sowie höhere Kosten drohen
- Die EU-Kommission will am 17. Juli eine Reform des Emissionshandels vorschlagen, bei der diskutiert wird, die Reduktion der Ausstoßrechte zu verlangsamen und Vorreitern zusätzliche Zertifikate zu geben
Warum ist das wichtig?
- Eine Abschwächung des EU-Emissionshandels könnte CO₂-intensivere Stahlproduktion länger und günstiger machen und damit grünen Stahl für Kunden unattraktiver werden
- Das könnte Investitionen in eine Wasserstoffwirtschaft verringern und zu weniger Anbietern sowie höheren Kosten führen
- Wenn Reformen Entschädigungen über Zertifikate vorsehen, wäre der Ausgleich wegen schwankender CO2-Preise kaum planbar und könnte wie ein „Börsenspiel“ zulasten der Unternehmen gehen
Wer ist betroffen?
- Stahlhersteller Saarstahl und Dillinger Hütte
- Unternehmen, die nicht transformieren
- Vorreiter der Wasserstoffproduktion
Zahlen/Fakten?
- 4,6 Milliarden Euro staatliche Förderung für den klimagerechten Umbau der Stahlproduktion
-
- Juli: voraussichtlicher Vorschlag der EU-Kommission zur Reform des Emissionshandels
- weniger Anbieter und höhere Kosten; Risiko eines CO2-Preisfalls statt steigenden CO2-Preisen
Wie geht’s weiter?
- EU-Kommission will voraussichtlich am 17. Juli Reformvorschläge zum EU-Emissionshandel machen, unter anderem mit langsamerer Reduktion neuer Ausstoßrechte
- Brüssel erwägt als Ausgleich Vorreitern zusätzliche Zertifikate zu geben, die diese bei Nichtbedarf weiterverkaufen könnten
- Saarstahl warnt vor einer Abschwächung mit Folgen wie ungünstigeren Investitionen in Wasserstoff und Unsicherheit über Kosten durch mögliche CO₂-Preisrückgänge
- Berliner Senatorin gegen Kürzungspläne beim Unterhaltsvorschuss - 15. Juli 2026
- Grüne fordern von Pistorius Aufklärung nach Fregatten-Aus - 15. Juli 2026
- Motorradfahrer bei Wildunfall in Harsefeld schwer verletzt - 15. Juli 2026
