Politik - Was ist passiert – was dahinter steckt
Gesellschaft: Jesiden in Deutschland und Anerkennung
Berlin () – Jesiden in Deutschland vermissen drei Jahre nach der Bundestags-Anerkennung des Völkermords an der religiösen Minderheit durch die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) konkrete Konsequenzen.
„Wir hatten zu Beginn viel Hoffnung, dass durch diese Anerkennung – zumal sie einstimmig war – das Leben der Jesiden in Deutschland sichtbarer wird“, sagte der Vorsitzende des Zentralrats der Jesiden in Deutschland, Irfan Ortac, der „Rheinischen Post“ (Montag). „Das wurde uns im Bundestagsantrag versprochen, aber tatsächlich haben die Regierungen in Bund und Ländern davon fast nichts umgesetzt.“
Er verwies auf die 20 Forderungen, die in dem Bundestagsantrag enthalten waren. „Ein Punkt war etwa die Errichtung eines Lehrstuhls zur Religion und Kultur der Jesiden und dem Genozid an einer Universität. Das wäre aber Ländersache, daher haben Bund und Länder das Thema hin und her geschoben, weil die Länder vom Bund eine Garantie für die Finanzierung wollen. Wir als Zentralrat haben außerdem vor zweieinhalb Jahren einen Antrag für einen Gedenkort in Deutschland gestellt.“
Ortac fügte hinzu: „An Schulen werden jesidische Kinder als `Teufelsanbeter` beschimpft. Lehrkräfte stehen hilflos daneben, weil ihnen das Wissen über die jesidische Kultur fehlt, um bei Diskussionen argumentieren zu können. Ein weiterer Punkt: Jesidinnen und Jesiden sollten laut dem Antrag nicht voreilig abgeschoben werden. Genau das Gegenteil passiert. Man schiebt erst einmal die Gruppe ab, die kaum eine Lobby hat.“ Am 19. Januar 2023 hat der Bundestag die IS-Verbrechen an Jesiden als Völkermord anerkannt.
| Text-/Bildquelle: | Übermittelt durch www.dts-nachrichtenagentur.de |
| Bildhinweis: | Jesiden-Protest (Archiv) |
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was ist passiert?
- Jesiden in Deutschland vermissen konkrete Konsequenzen nach der Bundestags-Anerkennung des Völkermords.
- Es wurden 20 Forderungen im Bundestagsantrag gestellt, die kaum umgesetzt wurden.
Warum ist das wichtig?
- Sichtbarkeit und Anerkennung der Jesiden in der Gesellschaft sind unzureichend umgesetzt.
- Fehlende Bildungsangebote und Gedenkstätten gefährden das kulturelle Erbe und das Verständnis für die Jesiden.
- Diskriminierung und voreilige Abschiebungen von Jesidinnen und Jesiden sind weiterhin problematisch.
Wer ist betroffen?
- Jesiden in Deutschland
- Kinder jesidischer Herkunft
- Lehrkräfte in deutschen Schulen
Zahlen/Fakten?
- 3 Jahre nach der Bundestags-Anerkennung des Völkermords an Jesiden durch den IS
- 20 Forderungen im Bundestagsantrag
- Anerkennung der IS-Verbrechen als Völkermord am 19. Januar 2023
Wie geht’s weiter?
- Umsetzung der 20 Forderungen aus dem Bundestagsantrag einfordern
- Einrichtung eines Lehrstuhls zur Religion und Kultur der Jesiden an einer Universität
- Antrag auf einen Gedenkort in Deutschland weiterverfolgen
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