Politik - Was ist passiert – was dahinter steckt
Politische Reformen und Herausforderungen in Hannover
Hannover () – Nach der Serie herber Wahlniederlagen rät Altkanzler Gerhard Schröder der SPD zu einem mutigen Reformprogramm nach dem Vorbild seiner Agenda-2010-Politik.
„Wir haben die Wirtschaft vernachlässigt, wir haben uns zu sehr mit Nebenthemen beschäftigt“, sagte Schröder der „Süddeutschen Zeitung“ (Mittwochausgabe) in Hannover. „Eigentlich braucht das Land jetzt eine neue Agenda-Politik, aber das kann nur klappen, wenn die SPD das mit echtem Willen und Mut angeht.“
Nur missmutig Reformen und kleinen Schritten zuzustimmen, sei der falsche Weg, so Schröder. Früher sei die Sozialdemokratie Treiber gesellschaftlichen Fortschritts und mutiger gewesen. So müsse man jetzt zwingend „die Frage des Rentenalters neu diskutieren“, da die letzte große Rentenreform 20 Jahre her sei. Die SPD dürfe bei Reformen nicht ständig ein schlechtes Gewissen haben.
Zudem rät Schröder der SPD zur Abkehr von der Doppelspitze. „Die Doppelspitze ist Quatsch und ich würde sie wieder abschaffen“, sagte das SPD-Mitglied. „Das mag bei den Grünen funktionieren, aber eine Organisation wie die SPD braucht klare Führung.“
Er forderte in dem Zusammenhang, Vizekanzler Lars Klingbeil zu stärken. Der sei „ohne Zweifel ein guter Mann“. Die Co-Vorsitzende Bärbel Bas erwähnte Schröder nicht.
Schröder sagte, er vermisse bei der SPD im Bund eine stärker lebensbezogene Politik. „Die SPD ist überall da noch stark, wo sie sich klar gemacht hat: Regieren ist Lebenswirklichkeit und nicht nur Programmwirklichkeit“, so Schröder. „Mit dieser Lebenswirklichkeit derer, die mich gewählt haben und künftig wählen sollen, muss ich mich auseinandersetzen.“ Das schaffe ein ganz anderes Politikverständnis, als wenn man Politik nur als die Formulierung und Umsetzung eigener Programme begreife.
Ihm sei sein Satz vom Wahlabend 1998, das Land sei wichtiger als die Partei, um die Ohren gehauen worden. „Das ist aber der Kernsatz, den die SPD heute wieder viel mehr verinnerlichen müsste. Denn man macht Politik ja nicht für sich selber, sondern für das Land“. So habe zuletzt auch Cem Özdemir in Baden-Württemberg argumentiert. Dieses Verständnis sei in der SPD gerade im Bund leider etwas verloren gegangen, sagte Schröder.
| Text-/Bildquelle: | Übermittelt durch www.dts-nachrichtenagentur.de |
| Bildhinweis: | So-yeon Schröder-Kim und Gerhard Schröder (Archiv) |
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was ist passiert?
- Gerhard Schröder rät der SPD zu einem mutigen Reformprogramm nach dem Vorbild der Agenda 2010.
- Er kritisiert die SPD für das Vernachlässigen wirtschaftlicher Themen und empfiehlt eine neue Diskussion über das Rentenalter.
- Schröder spricht sich gegen die Doppelspitze der SPD aus und fordert eine klare Führung.
Warum ist das wichtig?
- Notwendigkeit eines mutigen Reformprogramms zur Stärkung der SPD und der Wirtschaft
- Appell für eine stärkere Lebensbezogenheit in der Politik
- Kritik an der Doppelspitze als Führungsmodell innerhalb der SPD
Wer ist betroffen?
- SPD
- Vizekanzler Lars Klingbeil
- Wähler und Bürger
Zahlen/Fakten?
- Letzte große Rentenreform vor 20 Jahren
- Altkanzler Schröder rät zu mutigem Reformprogramm
- Schröder fordert Abkehr von der Doppelspitze in der SPD
Wie geht’s weiter?
- Mutiges Reformprogramm nach Vorbild der Agenda 2010 anstreben
- Abkehr von der Doppelspitze zur stärkeren Führung
- Rentenalter neu diskutieren und gesellschaftlichen Fortschritt als Ziel haben
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