Schleswig-Holstein - Was ist passiert – was dahinter steckt
Gesellschaftliche Aufarbeitung der NS-Vergangenheit in Kiel
Kiel () – Die schleswig-holsteinischen Finanzbehörden haben im Nationalsozialismus eine zentrale Rolle bei der Entrechtung, Ausbeutung und Deportation von Juden, Sinti und Roma gespielt. Das hat die SPD-Landtagsabgeordnete Beate Raudies in einer Rede im Landtag thematisiert.
Anlass war die gemeinsame Beratung eines mündlichen Berichts und eines Forschungsberichts zur Rolle der Finanzbehörden in der NS-Zeit.
Raudies, die selbst Finanzbeamtin ist, zeigte sich erschüttert über die Ergebnisse der Untersuchung. Der Bericht lege schonungslos offen, wie aus einem regulären Verwaltungsapparat ein Instrument der Verfolgung wurde.
Mit dem Steueranpassungsgesetz von 1934 seien Finanzbeamte verpflichtet worden, Steuergesetze nach der nationalsozialistischen Weltanschauung auszulegen. Die Finanzverwaltung sei gleichgeschaltet worden, das Oberfinanzpräsidium Nordmark in Kiel habe direkt dem Reichsfinanzministerium unterstanden.
Besonders perfide sei gewesen, dass die Betroffenen nach dem Krieg in den Wiedergutmachungsverfahren oft auf dieselben Beamten trafen, die für die Ausplünderung verantwortlich waren.
Raudies zog aus dem Bericht zentrale Lehren für das heutige Verwaltungshandeln. Bürokratie dürfe nicht neutral sein, Behörden müssten jede Form von Diskriminierung im Keim ersticken und Beamte müssten ihre moralische Eigenverantwortung über den bloßen Dienst nach Vorschrift stellen.
Die Erkenntnisse der Studie sollen in die Aus- und Fortbildung der Finanzbeamten einfließen.
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Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was ist passiert?
- SPD-Landtagsabgeordnete Beate Raudies thematisiert die Rolle der Finanzbehörden im Nationalsozialismus im Landtag.
- Untersuchungsbericht zeigt, wie die Finanzverwaltung zur Verfolgung von Juden, Sinti und Roma wurde.
- Raudies fordert, dass heutige Behörden Diskriminierung aktiv bekämpfen und Beamte moralische Verantwortung übernehmen.
Warum ist das wichtig?
- Aufarbeitung der historischen Verantwortung und der Rolle von Behörden im Nationalsozialismus
- Förderung von Sensibilität und moralischer Verantwortung im heutigen Verwaltungshandeln
- Integration der Erkenntnisse in die Ausbildung der Finanzbeamten zur Vermeidung von Diskriminierung
Wer ist betroffen?
- Juden
- Sinti
- Roma
Zahlen/Fakten?
- Finanzbehörden spielten im Nationalsozialismus zentrale Rolle bei Entrechtung und Deportation von Juden, Sinti und Roma.
- Steueranpassungsgesetz von 1934 verpflichtete Finanzbeamte zur Auslegung von Steuergesetzen nach nationalsozialistischer Weltanschauung.
- Betroffene trafen nach dem Krieg oft auf dieselben Beamten in Wiedergutmachungsverfahren.
Wie geht’s weiter?
- Integration der Erkenntnisse in die Ausbildung von Finanzbeamten
- Stärkung der moralischen Eigenverantwortung der Beamten
- Bekämpfung von Diskriminierung im Behördenalltag
