Politik - Was ist passiert – was dahinter steckt
Wissenschaft und Umweltpolitik in Halle
Halle (Saale) () – Die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina warnt die EU davor, die Regeln für Pflanzenschutzmittel zu lockern. Es sei ein Fehler, auf die erneute Prüfung von Pflanzenschutzmittel-Wirkstoffen nach zehn Jahren zu verzichten, heißt es in einem Papier der Akademie, welches am Dienstag veröffentlicht wurde.
Die Autoren halten die befristete Zulassung für entscheidend, um ein lernfähiges Regulierungssystem zu erhalten. Die bisherige Erfahrung habe gezeigt, dass viele Wirkstoffe nach zehn Jahren vom Markt genommen wurden, entweder aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse oder weil Unternehmen aus ökonomischen Gründen auf eine Neuzulassung verzichteten. Die Fachleute befürchten, dass durch eine entfristete Zulassung bedenkliche oder veraltete Wirkstoffe länger auf dem Markt bleiben könnten. Auch bezweifeln sie, dass die Lockerung zu mehr Innovationen führt. Gerade die Zehn-Jahres-Überprüfung zwinge die Hersteller bisher dazu, sich kontinuierlich mit der Risikoermittlung und -bewertung ihrer zugelassenen Wirkstoffe zu befassen.
Die Leopoldina empfiehlt der Bundesregierung, sich auf EU-Ebene für den Erhalt der Neubewertungsregelung einzusetzen. Die Fristen könnten jedoch vom Gefährdungspotenzial des Wirkstoffes abhängen. Unbedenkliche Stoffe könnten so auch länger ihre Gültigkeit behalten. Zudem wird eine Nachmarktkontrolle vorgeschlagen, um die Entscheidungen zur Zulassung nicht nur auf Labordaten zu stützen, sondern auch auf systematisches Umweltmonitoring.
Das Papier gibt auch Empfehlungen zum Umgang mit den Abverkaufs- und Aufbrauchfristen: Wenn Wirkstoffe ihre Zulassung nach zehn Jahren verlieren, dürfen sie in bereits erworbenen Produkten noch für 18 Monate genutzt werden. Diese Frist will die EU auf drei Jahre verdoppeln. Für die Experten ist diese Überlegung mit Blick auf Gesundheits- und Umweltrisiken problematisch, verlängert sie doch die Verwendung bereits als bedenklich eingestufter Stoffe.
| Text-/Bildquelle: | Übermittelt durch www.dts-nachrichtenagentur.de |
| Bildhinweis: | Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina (Archiv) |
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was ist passiert?
- Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina warnt EU vor Lockerung der Regeln für Pflanzenschutzmittel
- Befristete Zulassung wird als entscheidend für ein lernfähiges Regulierungssystem angesehen
- Empfehlung zur Nachmarktkontrolle und Erhalt der Neubewertungsregelung auf EU-Ebene
Warum ist das wichtig?
- Vermeidung längerfristiger Nutzung bedenklicher oder veralteter Pflanzenschutzmittel durch Neubewertung alle zehn Jahre
- Sicherstellung eines lernfähigen Regulierungssystems für Pflanzenschutzmittel
- Notwendigkeit einer kontinuierlichen Risikoermittlung und -bewertung durch Hersteller
Wer ist betroffen?
- Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina
- EU und Hersteller von Pflanzenschutzmitteln
- Umwelt und Gesundheit der Bevölkerung
Zahlen/Fakten?
- Empfehlung der Leopoldina: Erhalt der Neubewertungsregelung für Pflanzenschutzmittel
- Bisherige Erfahrung: Viele Wirkstoffe wurden nach zehn Jahren vom Markt genommen
- Geplante Verdopplung der Aufbrauchfristen von 18 Monaten auf drei Jahre
Wie geht’s weiter?
- Leopoldina empfiehlt der Bundesregierung, sich für den Erhalt der Neubewertungsregelung auf EU-Ebene einzusetzen.
- Fristen könnten vom Gefährdungspotenzial des Wirkstoffs abhängen.
- Nachmarktkontrolle soll auf systematisches Umweltmonitoring setzen.
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