Lehrergewerkschaft kritisiert Arrest für Schulschwänzer

3. Januar 2026
1 min Lesezeit

Lehrergewerkschaft kritisiert Arrest für Schulschwänzer

Thüringen - Was ist passiert – was dahinter steckt

Gesellschaftliche Debatte über Schulverweigerung in Deutschland

() – Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat die Praxis mehrerer Bundesländer scharf kritisiert, uneinsichtige Schulschwänzer mit Jugendarrest zu bestrafen.

„Dass Jugendliche wegen wiederholten Schulschwänzens für ein paar Tage ins Gefängnis müssen, ist im Prinzip eine schulpolitische und pädagogische Bankrotterklärung und außerdem, wie oft zu hören ist, weitgehend wirkungslos oder sogar kontraproduktiv“, sagte die GEW-Vorsitzende Anja Bensinger-Stolze dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“.

Der Fokus müsse auf Prävention statt Intervention liegen und auf Pädagogik statt Strafe, forderte sie. „Um Schulabsentismus vorzubeugen, ist dreierlei notwendig: ein schulisches Präventionskonzept, eine Art `Frühwarnsystem` und eine individuelle Betrachtung der Ursachen“, sagte die GEW-Vorsitzende.

Die Zahl der Schulverweigerer hat in den vergangenen Jahren Experten zufolge zugenommen.

Besonders betroffen sind demnach Kinder aus sogenannten bildungsfernen und benachteiligten Familien.

In Deutschland landen jedes Jahr Hunderte Schüler im Jugendarrest. Niedersachsen ist bundesweit Spitzenreiter.

Nirgendwo sonst müssen so viele Jugendliche Schulverweigerung mit ihrer Freiheit bezahlen. Allein im ersten Halbjahr 2025 waren es 241 Arrestanten und 114 Arrestantinnen, wie eine Anfrage des RND ergab.

In den Zahlen sind auch Bremer Schüler enthalten, da das Land Bremen keinen eigenen Jugendarrest hat und dieser stattdessen in Niedersachsen vollzogen wird.

Hinter Niedersachsen liegt Hessen mit aktuell 48 Jugendlichen (Stand Oktober 2025). In den Jugendarrestanstalten in Baden-Württemberg waren es zum Zeitpunkt der Abfrage 33 in diesem Jahr, in 25, in Schleswig-Holstein 14 und in zwei „Schulverweigerer“.

In , Rheinland-Pfalz, Hamburg, Saarland gibt es keine aktuellen Fälle. Bayern, Berlin, und Nordrhein-Westfalen erheben keine Zahlen zu möglichen Schulverweigerern.

Das Justizministerium Sachsen-Anhalt hat nicht auf die Anfrage des RND geantwortet.

Das niedersächsische Justizministerium verteidigte die Praxis. Der Arrest für Schulabstinenzler sei ein „grundsätzlich taugliches Mittel, um auf Jugendliche einzuwirken“.

Grundsätzliche fachliche Bedenken gegen das derzeitige Sanktionierungssystem bestünden nicht.

Text-/Bildquelle: Übermittelt durch www.dts-nachrichtenagentur.de
Bildhinweis: Klassenraum in einer Schule (Archiv)

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Was ist passiert?

  • GEW kritisiert Jugendarrest für Schulschwänzer in mehreren Bundesländern.
  • Anja Bensinger-Stolze fordert statt Strafe präventive Maßnahmen gegen Schulabsentismus.
  • Niedersachsen hat die meisten Fälle von Schulverweigerern im Jugendarrest.

Warum ist das wichtig?

  • Schulschwänzen wird als pädagogische Bankrotterklärung kritisiert.
  • Prävention und individuelle Ursachenanalyse sind notwendig, statt Strafmaßnahmen.
  • Anstieg der Schulverweigerer in bildungsfernen und benachteiligten Familien.

Wer ist betroffen?

  • Kinder aus bildungsfernen und benachteiligten Familien
  • Schulverweigerer in Niedersachsen
  • Jugendliche im Jugendarrest

Zahlen/Fakten?

  • 241 Arrestanten und 114 Arrestantinnen im ersten Halbjahr 2025 in Niedersachsen
  • Niedersachsen hat die höchste Anzahl an Jugendlichen im Jugendarrest wegen Schulverweigerung
  • In Hessen, Baden-Württemberg, Thüringen, Schleswig-Holstein und Sachsen wurden insgesamt 122 Jugendliche registriert

Wie geht’s weiter?

  • Fokus auf Prävention und individuelle Ursachenanalyse legen
  • Schulisches Präventionskonzept und "Frühwarnsystem" entwickeln
  • Reform des Sanktionssystems in Betracht ziehen
Deutsche Textservice Nachrichtenagentur GmbH

Don't Miss