Politik in Deutschland: Merz zu Kritik
Berlin () – Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat Kritik an früheren Äußerungen zurückgewiesen und seine Kommunikation insgesamt verteidigt.
„Ich habe nie jemandem persönliche Faulheit unterstellt“, sagte der Kanzler im ZDF-Sommerinterview mit Blick auf Vorwürfe, er habe Arbeitnehmer pauschal als arbeitsscheu dargestellt. Stattdessen habe er lediglich darauf hingewiesen, „dass die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden in Deutschland im Augenblick zu niedrig ist“. So arbeiteten etwa die Schweizer 200 Stunden mehr als die Deutschen. „Das ist doch nicht Faulheit, die ich jemandem persönlich unterstelle, sondern ich sage: Unsere Produktivität ist zu gering, unsere wirtschaftliche Leistung ist zu gering, und da müssen wir was dran tun.“ Wenn man sich diesen Sozialstaat weiter leisten wolle, dann müsse man „für diesen Sozialstaat gemeinsam arbeiten“.
Zugleich warf Merz den Medien vor, Zustimmung zu seinen Positionen zu wenig abzubilden. „Sie zeigen immer nur diejenigen, die Kritik an mir äußern. Sie zeigen selten diejenigen, die mal sagen: Es ist genau so.“ Das sei schon mit seiner Aussage zu den „kleinen Paschas“ vor vielen Jahren so gewesen. „Ich bekomme sehr viel Zustimmung in der Bevölkerung für das, was ich zu diesen Sachverhalten sage.“
Auf seine schlechten Umfragewerte angesprochen, sagte Merz: „Wir haben es mit einer Vertrauenskrise der Demokratie insgesamt zu tun.“ Und daran arbeite man in der Koalition. „Das ist nicht nur die Aufgabe einer Regierung, das ist auch die Aufgabe aller demokratischen Parteien.“ Besorgt zeigte er sich über den Umgangston im Bundestag. „Ich bin aus der letzten Sitzungswoche des Deutschen Bundestages sehr besorgt nach Hause gefahren, weil wir eine Tonlage hatten dort im Parlament.“ Das sei er von der AfD und den Linken gewohnt, aber auch von den Grünen komme mittlerweile der gleiche Sound. „Das war keine Werbung für die Demokratie“, sagte Merz. „Persönliche Herabsetzungen“ schadeten der demokratischen Kultur.
Merz äußerte sich auch ausführlich zum Rücktritt von Unionsfraktionschef Jens Spahn (CDU). Nach eigenen Angaben habe Spahn ihn rund zehn Tage zuvor über die bevorstehende Vaterschaft informiert. „Ich habe dem Kind viel Glück gewünscht“, sagte der Kanzler. Mit dem Ausmaß der öffentlichen Reaktionen habe er nicht gerechnet: „Zumindest nicht in diesem Umfang.“
Merz erklärte, er habe Spahns Wunsch respektiert, die Kommunikation selbst zu übernehmen. Deshalb habe er niemanden in der CDU informiert. Auf die Frage, ob er sich von Spahn hintergangen fühle, antwortete der Kanzler ausweichend: „Das will ich jetzt hier nicht öffentlich bewerten, aber der Vorgang als solches ist abgeschlossen.“ Zugleich würdigte er Spahns Arbeit als Fraktionsvorsitzender: „Er hat eine wichtige Arbeit geleistet als Vorsitzender der Bundestagsfraktion. Und dafür danke ich ihm.“ Auch die Reformen der letzten Wochen würden Spahns Handschrift tragen.
| Text-/Bildquelle: | Übermittelt durch www.dts-nachrichtenagentur.de |
| Bildhinweis: | Friedrich Merz am 16.07.2026 |
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Politik - Was ist passiert – was dahinter steckt
Was ist passiert?
- Friedrich Merz weist Kritik an früheren Aussagen zurück und verteidigt seine Kommunikation, wonach die Zahl der Arbeitsstunden in Deutschland zu niedrig sei und dies nicht als persönliche Faulheit dargestellt werden solle
- Merz wirft Medien vor, vor allem Kritiker seiner Positionen zu zeigen, und spricht von einer Vertrauenskrise der Demokratie sowie problematischem Umgangston im Bundestag
- Merz äußert sich zum Rücktritt von Jens Spahn, sagt, Spahn habe ihn vor rund zehn Tagen über die bevorstehende Vaterschaft informiert, und wertet den Vorgang als abgeschlossen während er Spahns Arbeit würdigt
Warum ist das wichtig?
- Merz betont, dass das Problem zu niedriger Produktivität und Arbeitsstunden und damit die Finanzierung des Sozialstaats ist, nicht eine persönliche Unterstellung von Faulheit
- Er sieht schlechte Umfragewerte als Vertrauenskrise der gesamten Demokratie und fordert gemeinsame Arbeit aller demokratischen Parteien dagegen
- Er kritisiert einen zunehmend herabsetzenden Umgangston im Bundestag und warnt, dass das der demokratischen Kultur schadet
Wer ist betroffen?
- Arbeitnehmer in Deutschland, die von Merz’ Äußerungen betroffen sein sollen
- Medien bzw. die Öffentlichkeit, die Merz’ Positionen nur unzureichend zustimmend darstellen sollen
- Jens Spahn (CDU) und die CDU-Kommunikation im Zusammenhang mit dessen Rücktritt
Zahlen/Fakten?
- Merz sagte, Schweizer arbeiteten 200 Stunden mehr als Deutsche
- Merz erklärte, Spahn habe ihn rund zehn Tage zuvor über die bevorstehende Vaterschaft informiert
- Merz äußerte seine Besorgnis über die Tonlage im Bundestag nach der letzten Sitzungswoche des Deutschen Bundestages
Wie geht’s weiter?
- Merz will an der Vertrauenskrise der Demokratie arbeiten und betont, dass alle demokratischen Parteien daran mitwirken müssen
- Er will den Umgangston im Bundestag verbessern und kritisiert persönliche Herabsetzungen als schädlich für die demokratische Kultur
- Zum Rücktritt von Jens Spahn sieht Merz den Vorgang als abgeschlossen an und würdigt dessen Arbeit als Fraktionschef sowie dessen Beitrag zu Reformen
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