EU will bei Lederproduktion nicht mehr gegen Waldrodungen vorgehen

4. Mai 2026
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EU will bei Lederproduktion nicht mehr gegen Waldrodungen vorgehen

Vermischtes - Was ist passiert – was dahinter steckt

EU-Politik zur Bekämpfung von Entwaldung

() – Die Europäische Kommission will die EU-Entwaldungsrichtlinie, mit der die Abholzung von Wäldern verhindert werden soll, überarbeiten. Erklärtes Ziel ist, die damit verbundene Bürokratie um 75 Prozent zu senken, Kritiker sehen in den Vorschlägen eine Abschwächung des Rechtsakts.

Zum einen will die EU das IT-System, mit dem die Einhaltung der Richtlinie dokumentiert wird, so überarbeiten, dass mit einer Sorgfaltspflichten-Erklärung mehrere Lieferungen abgedeckt werden können. Außerdem soll aktiver darüber aufgeklärt werden, dass sich die Rolle nachgelagerter Unternehmen in einer Lieferkette auf die passive Erfassung und Speicherung relevanter Informationen beschränkt. Leder soll künftig nicht mehr unter die Verordnung fallen.

„Die Lederindustrie hat sich mit ihrer aggressiven Lobbyarbeit durchgesetzt“, kommentierte Sascha Müller-Kraenner, Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe (DUH). „Rindsleder aus illegal gerodeten Gebieten etwa im Amazonas-Regenwald soll weiter für europäische Modeprodukte oder Autositze verarbeitet werden. Das reiht sich ein in eine Serie von Rückschlägen für den internationalen Waldschutz, darunter die mehrmalige Verschiebung des Geltungsbeginns der Verordnung sowie erleichterte Anforderungen an europäische Produzenten und Händler.“

Müller-Kraenner bezeichnete die EU-Entwaldungsverordnung als ein zentrales Instrument des „Green Deals“. Sie habe bereits vor ihrer offiziellen Anwendung bei Unternehmen und in den Produktionsländern positive Wirkung gezeigt. „Lieferketten werden transparenter, Unternehmen investieren in entwaldungsfreie Praktiken und die Bekämpfung von Landraub und Zwangsarbeit. Das darf die EU-Kommission jetzt nicht aufs Spiel setzen“, so der DUH-Geschäftsführer. „Wir fordern die entschlossene Durchsetzung der EU-Entwaldungsverordnung – ohne weitere Schwächungen und Verzögerungen.“

Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) schätzt, dass zwischen 1990 und 2020 rund 420 Millionen Hektar Wald – eine Fläche größer als die EU – durch Entwaldung verloren gegangen sind. Der Verbrauch in der EU ist für etwa 10 Prozent der weltweiten Entwaldung verantwortlich. Soja, das vor allem als Tierfutter genutzt wird, und Palmöl machen mehr als zwei Drittel davon aus. Entwaldung verursacht Schätzungen zufolge etwa zehn bis 15 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen.

Text-/Bildquelle: Übermittelt durch www.dts-nachrichtenagentur.de
Bildhinweis: Brasilianischer Regenwald (Archiv)

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Was ist passiert?

  • Europäische Kommission will die EU-Entwaldungsrichtlinie überarbeiten.
  • Ziel ist, Bürokratie um 75 Prozent zu senken; Kritiker sehen darin eine Abschwächung.
  • Leder soll nicht mehr unter die Verordnung fallen; Rindsleder aus illegalen Gebieten könnte weiter verarbeitet werden.

Warum ist das wichtig?

  • Verringerung der Bürokratie um 75 Prozent soll Effizienz steigern.
  • EU-Entwaldungsverordnung ist entscheidend für den internationalen Waldschutz und nachhaltige Lieferketten.
  • Abholzung und deren Folgen haben erhebliche Auswirkungen auf das Klima und die Biodiversität.

Wer ist betroffen?

  • Unternehmen der Lederindustrie
  • Europäische Verbraucher
  • Umweltorganisationen

Zahlen/Fakten?

  • 420 Millionen Hektar Wald zwischen 1990 und 2020 durch Entwaldung verloren
  • Verbrauch in der EU verantwortlich für etwa 10 Prozent der weltweiten Entwaldung
  • Soja und Palmöl machen mehr als zwei Drittel der EU-Entwaldung aus

Wie geht’s weiter?

  • Überarbeitung der EU-Entwaldungsrichtlinie geplant
  • Bürokratie um 75 Prozent senken und Rollenklärung nachgelagerter Unternehmen
  • Forderung nach entschlossener Durchsetzung ohne Schwächungen und Verzögerungen
Deutsche Textservice Nachrichtenagentur GmbH

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