Iran-Krieg verschärft Auslandsschuldenkrise im Globalen Süden

28. April 2026
2 min gelesen

Iran-Krieg verschärft Auslandsschuldenkrise im Globalen Süden

Wirtschaft - Was ist passiert – was dahinter steckt

Wirtschaftliche Herausforderungen im Globalen Süden

() – In Ländern, die bereits durch Zahlungen an ausländische Gläubiger stark belastet sind, wächst in der aktuellen Weltlage die Gefahr von Schuldenkrisen.

44 Staaten im Globalen Süden leiden unter einer sehr hohen Auslandsschuldenlast, so das Ergebnis der Schuldenreports 2026, der am Dienstag vom Entschuldungsbündnis Erlassjahr und Misereor veröffentlicht wurde. Weitere 25 Staaten sind hoch belastet. In 15 Ländern besteht ein latentes Belastungsrisiko.

„Länder mit einer sehr hohen Auslandsschuldenlast müssen mehr als 15 Prozent ihrer Staatseinnahmen für Zins- und Tilgungszahlungen an ausländische Gläubiger aufbringen. In sind es sogar 60 Prozent, im Senegal 39 Prozent“, erklärte Malina Stutz, Politische Referentin beim Entschuldungsbündnis. „Damit fließt ein untragbar hoher Teil der öffentlichen Einnahmen in diesen Ländern nicht in elementare Staatsaufgaben wie Bildung, Gesundheit oder Infrastruktur, sondern an ausländische Gläubiger.“ Zum Vergleich: In liegt die Quote für den Auslandsschuldendienst lediglich bei rund zwei Prozent.

„Zu der hohen Auslandsverschuldung vieler Länder kommen nun noch die verheerenden Folgen des Kriegs am Golf hinzu“, warnt Benjamin Rosenthal, Experte für Entwicklungsfinanzierung bei Misereor. „Hohe Energie- und Lebensmittelpreise belasten zusätzlich die Staatshaushalte und werden zu einem Abzug von Kapital und höheren Kreditkosten in vielen verschuldeten Ländern führen. Das macht etwa den Erhalt von Schulen und Krankenhäusern und die soziale Grundsicherung noch teurer.“

Der Libanon zum Beispiel leiste gemessen an den Staatseinnahmen den höchsten Schuldendienst weltweit und befinde sich im Zahlungsausfall. „Die Menschen dort kämpfen bereits seit Jahren mit den Auswirkungen einer schweren Finanzkrise, die ihnen ihre Ersparnisse genommen hat“, beschreibt Rosenthal die Situation. „Durch den Krieg in der Region stehen sie nun buchstäblich vor dem Nichts.“

Wie die Analyse zeigt, ist eine Entspannung der Situation aktuell nicht zu erwarten. „Die öffentliche Vergabe von Zuschüssen und Krediten an Länder des Globalen Südens ist zuletzt deutlich eingebrochen, auch infolge gekürzter Mittel in der Entwicklungszusammenarbeit“, sagte Stutz. Private Gläubiger hätten hingegen bereits vor der Krise am Golf Kredite nur noch zu sehr hohen Zinssätzen vergeben – insbesondere an bereits hoch verschuldete Staaten.

„Dies birgt die Gefahr, dass Schuldenkrisen verschleppt, statt gelöst werden und die Länder tiefer in Abhängigkeiten geraten“, so Stutz weiter. Gleichzeitig biete die gläubigerzentrierte, internationale Schuldenarchitektur keine effektiven Lösungen, um Auslandsschuldenkrisen nachhaltig zu überwinden. Länder wie Ghana, Sambia, Sri Lanka und Suriname, die in den vergangenen Jahren Umschuldungen im Rahmen dieser gläubigerdominierten Strukturen durchgeführt hätten, wiesen weiterhin eine der höchsten Belastungen weltweit auf.

„Reformen, die diese problematischen Strukturen aufbrechen, werden von Ländern des Globalen Nordens bisher blockiert. Darunter sind Deutschland und die EU“, kritisiert Rosenthal. Eine radikale Neugestaltung der internationalen Schulden- und Finanzarchitektur sei jedoch dringend erforderlich. Dafür brauche es verbindliche Mechanismen zur Schuldenstreichung sowie deutlich ausgeweitete und verbindliche öffentliche Entwicklungsinvestitionen. Außerdem eine grundlegende Neuausrichtung des primär auf private Finanzierungsquellen ausgerichteten Entwicklungsmodells.

„Die Bundesregierung muss sich dafür einsetzen, dass dringend benötigte, umfassende Reformen der internationalen Finanz- und Schuldenarchitektur endlich umgesetzt werden und betroffene Länder stärker mitbestimmen können“, erklärte Rosenthal. „Faire und verlässliche Schuldenerleichterungen sind kein Akt der Gnade. Sie müssen zum integralen Bestandteil der internationalen wirtschaftlichen und finanziellen Zusammenarbeit werden. Eine Zusammenarbeit, die Würde, Teilhabe und Entwicklung für alle Menschen ermöglicht.“

Text-/Bildquelle: Übermittelt durch www.dts-nachrichtenagentur.de
Bildhinweis: Kinder in einem Slum (Archiv)

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Was ist passiert?

  • 44 Staaten im Globalen Süden haben eine hohe Auslandsschuldenlast, weitere 25 sind hoch belastet und 15 haben ein latentes Risiko.
  • Hohe Zins- und Tilgungszahlungen an Gläubiger schmälern die Mittel für Bildung, Gesundheit und Infrastruktur.
  • Die öffentliche Vergabe von Zuschüssen und Krediten an diese Länder ist zurückgegangen, was die Situation weiter verschärft.

Warum ist das wichtig?

  • Zunehmende Gefahr von Schuldenkrisen in stark verschuldeten Ländern.
  • Hohe Auslandsschulden verhindern essentielle staatliche Ausgaben für Bildung, Gesundheit und Infrastruktur.
  • Dringender Reformbedarf der internationalen Schuldenarchitektur, um faire Schuldenerleichterungen zu gewährleisten.

Wer ist betroffen?

  • 44 Staaten im Globalen Süden mit sehr hoher Auslandsschuldenlast
  • 25 hoch belastete Staaten
  • 15 Länder mit latentem Belastungsrisiko

Zahlen/Fakten?

  • 44 Staaten im Globalen Süden leiden unter sehr hoher Auslandsschuldenlast.
  • In Angola fließen 60% der Staatseinnahmen in den Schuldendienst, im Senegal 39%.
  • Deutschland hat eine Quote von rund 2% für den Auslandsschuldendienst.

Wie geht’s weiter?

  • Notwendigkeit einer radikalen Neugestaltung der internationalen Schuldenarchitektur
  • Dringende Reformen der internationalen Finanz- und Schuldenarchitektur umsetzen
  • Faire und verlässliche Schuldenerleichterungen als integraler Bestandteil internationaler Zusammenarbeit etabliert
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