Politik: Kanzler Sommerpressekonferenz in Berlin
Berlin () – Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat auf der traditionellen Sommerpressekonferenz in Berlin eine positive Bilanz des ersten Regierungshalbjahres 2026 gezogen und zugleich den Fahrplan für die zweite Jahreshälfte skizziert.
Als zentralen innenpolitischen Erfolg verbuchte er die Verabschiedung des Investitionszukunftsgesetzes zur Beschleunigung von Infrastrukturvorhaben sowie die umfassende Reform der gesetzlichen Krankenversicherung. Diese seien zwar wichtige Schritte, aber bei weitem nicht ausreichend, um die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands wiederherzustellen, sagte Merz am Mittwoch in der Bundespressekonferenz.
Als weiteres Großprojekt nannte Merz die Neuordnung der Alterssicherung mit einem kapitalgedeckten Element in der gesetzlichen Rentenversicherung, die im Herbst auf den Weg gebracht werden solle.
Merz räumte ein, dass die angekündigte Wirtschaftswende länger dauere als gedacht und verwies auf externe Faktoren wie die amerikanische Zollpolitik und Währungsverzerrungen, etwa durch den unterbewerteten Yuan. Die Bundesregierung sei stark von der Weltkonjunktur abhängig. Auf die Kritik an steigenden Sozialabgaben und der ausbleibenden Entlastung der Arbeitnehmer entgegnete er, die Regierung stemme sich mit aller Kraft gegen einen weiteren Beitragsanstieg. Die Reform der Pflegeversicherung stehe noch aus, bei der geplanten Kürzung des Unterhaltsvorschusses für Alleinerziehende müsse die Koalition noch Abwägungen treffen, ohne dass Kinder darunter leiden sollten.
In der Außen- und Sicherheitspolitik bekannte sich Merz zu einer stärkeren Rolle Deutschlands in Europa und der Nato. Die Wiederherstellung der Verteidigungsfähigkeit sei eine Priorität, dabei verwies er auf den gemeinsamen U-Boot-Bau mit Norwegen und Kanada. Die hybride Bedrohung durch Russland nehme er ernst, gleichzeitig funktioniere die Abschreckung in der Nato. Die geplante Stationierung von US-Mittelstreckenraketen in Deutschland unter nationaler Kontrolle stehe im Einklang mit den geltenden Befehls- und Kommandostrukturen. Den Vorschlag einer assoziierten EU-Mitgliedschaft für die Ukraine verteidigte Merz als wichtigen Schritt, um die Beitrittsperspektive glaubwürdig zu halten.
Auf die Frage nach der mangelnden Unterstützung der eigenen Politik in der Bevölkerung und den schlechten Umfragewerten räumte Merz ein, dass ihn dies „beschäftige“. Die Arbeit der Koalition sei noch nicht gut genug vermittelt worden, die anstehenden Landtagswahlen seien eine Bewährungsprobe. Eine Regierungsbeteiligung der AfD lehnte er strikt ab und wolle alles tun, um dies zu verhindern.
Eine erneute Grundgesetzänderung zur Reform der Schuldenbremse hält der in dieser Wahlperiode für kaum möglich, dazu fehle es an den erforderlichen Mehrheiten. Auf Kritik an der mangelnden Frauenrepräsentation im Koalitionsausschuss entgegnete Merz, dies sei funktional und nicht geschlechterbasiert besetzt. Die Nachfolge von EZB-Präsidentin Christine Lagarde sei derzeit kein Thema.
Rund 130 Journalisten waren am Mittwoch in der Bundespressekonferenz, der Kanzler nahm sich 90 Minuten Zeit für die Hauptstadtpresse. Wie üblich gab es keinerlei thematische Einschränkung.
| Text-/Bildquelle: | Übermittelt durch www.dts-nachrichtenagentur.de |
| Bildhinweis: | Friedrich Merz am 15.07.2026 |
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Politik - Was ist passiert – was dahinter steckt
Was ist passiert?
- Friedrich Merz zieht bei der Sommerpressekonferenz eine positive Bilanz für das erste Regierungshalbjahr 2026 und skizziert den Fahrplan für die zweite Jahreshälfte
- Als zentrale Projekte nennt er das Investitionszukunftsgesetz zur Beschleunigung von Infrastruktur sowie die Reform der gesetzlichen Krankenversicherung und die geplante Neuordnung der Alterssicherung mit kapitalgedecktem Element in der gesetzlichen Rentenversicherung
- Merz äußert sich zu Außen- und Sicherheitspolitik, u. a. zur Verteidigungsfähigkeit, zu NATO-Themen und zur Unterstützung der Ukraine, sowie zur Ablehnung einer Regierungsbeteiligung der AfD
Warum ist das wichtig?
- Verabschiedung des Investitionszukunftsgesetzes zur Beschleunigung von Infrastrukturvorhaben stärkt die wirtschaftliche Basis und verbessert Rahmenbedingungen für Wettbewerbsfähigkeit
- Reform der gesetzlichen Krankenversicherung und geplante Neuordnung der Alterssicherung mit kapitalgedecktem Element verbessern zentrale Systeme der sozialen Absicherung
- Maßnahmen zur Wiederherstellung der Verteidigungsfähigkeit und zur Stärkung der Rolle Deutschlands in Europa und der Nato erhöhen Sicherheit und politische Handlungsfähigkeit
Wer ist betroffen?
- Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU)
- Koalition der Bundesregierung
- Bevölkerung, insbesondere in Bezug auf Umfragewerte und Landtagswahlen
Zahlen/Fakten?
- Verabschiedung des Investitionszukunftsgesetzes sowie umfassende Reform der gesetzlichen Krankenversicherung
- Neuordnung der Alterssicherung mit kapitalgedecktem Element in der gesetzlichen Rentenversicherung im Herbst auf den Weg gebracht
- Rund 130 Journalisten; Kanzler nahm sich 90 Minuten Zeit für die Hauptstadtpresse
Wie geht’s weiter?
- Im Herbst soll die Neuordnung der Alterssicherung mit kapitalgedecktem Element in der gesetzlichen Rentenversicherung auf den Weg gebracht werden
- Bei den anstehenden Landtagswahlen sieht Merz eine Bewährungsprobe für die Koalition
- Eine erneute Grundgesetzänderung zur Reform der Schuldenbremse hält Merz in dieser Wahlperiode für kaum möglich
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