Politik - Was ist passiert – was dahinter steckt
Wirtschaft: Kritik an EU-Inc. in Brüssel
Brüssel () – Die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung kritisiert die von der EU-Kommission geplante EU Inc. Diese neue Rechtsform für europäische Unternehmen soll Start-ups und sogenannten Scale-ups, also jungen, schnell expandierenden Firmen, das Wachstum über Ländergrenzen hinweg erleichtern.
Der Entwurf der Kommission sehe vor, dass Unternehmen in Europa ihren rechtlichen Sitz unabhängig davon auswählen können, wo ihre Betriebsstätten und die Beschäftigten sind, sagte Daniel Hay, wissenschaftlicher Direktor des Instituts für Mitbestimmung und Unternehmensführung (I.M.U.) der Hans-Böckler-Stiftung, dem „Spiegel“. Dann könnte ein deutsches Unternehmen in Malta eine EU Inc. eintragen lassen und in seinem Heimatmarkt die Mitbestimmung umgehen. Das maltesische Recht kenne keine paritätisch besetzten Aufsichtsräte in Gesellschaften mit mehr als 2.000 Beschäftigten.
Problematisch sei, dass die EU-Kommission allen Unternehmen, vom Mittelständler bis zum Großkonzern, den Weg in die EU Inc. öffnen wolle. „Daher fürchten wir einen Unterbietungswettlauf in Richtung der Standorte mit den schwächsten Arbeitnehmerrechten“, sagte Hay. Unternehmen könnten über die EU Inc. „Sozialdumping mit europäischem Gütesiegel“ betreiben, ohne dass man erkenne, was das für die Mitbestimmung bedeute.
Der I.M.U.-Direktor forderte, den Entwurf für die EU Inc. zu überarbeiten. Als ersten Vorschlag nannte er, dass der rechtliche Sitz dort sein müsse, wo das Unternehmen auch seinen operativen Schwerpunkt habe. Zweitens müsse die EU Inc. auf Start-ups und Scale-ups begrenzt bleiben. „Als Größenschwelle schlagen wir eine Zahl von 500 Mitarbeitern vor“, sagte Hay. Die Kommission solle zumindest eine sogenannte Missbrauchsklausel einbauen, die verhindere, dass Arbeitnehmern Mitbestimmungsrechte entzogen oder vorenthalten werden. „Wir erwarten, dass sie die Mitbestimmung nicht nur in Sonntagsreden lobt, sondern sich jetzt schützend vor sie stellt.“ Auch der Bundesrat habe gerade in einem Beschluss auf diese Risiken hingewiesen.
| Text-/Bildquelle: | Übermittelt durch www.dts-nachrichtenagentur.de |
| Bildhinweis: | EU-Fahnen (Archiv) |
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was ist passiert?
- Hans-Böckler-Stiftung kritisiert die geplante EU Inc. für Unternehmen.
- Unternehmen könnten ihre Mitbestimmung umgehen, indem sie ihren Sitz in Länder mit schwächeren Arbeitnehmerrechten verlagern.
- Forderung nach Überarbeitung des Entwurfs, um Missbrauch zu verhindern und die EU Inc. auf Start-ups und Scale-ups zu beschränken.
Warum ist das wichtig?
- Gefahr von Sozialdumping durch EU Inc.
- Mangel an Mitbestimmungsrechten könnte zunehmen
- Bedenken hinsichtlich der Stärkung von Standorten mit schwächeren Arbeitnehmerrechten
Wer ist betroffen?
- Start-ups und Scale-ups
- Unternehmen in Europa
- Arbeitnehmer mit Mitbestimmungsrechten
Zahlen/Fakten?
- EU-Kommission plant neue Rechtsform "EU Inc." für Unternehmen
- Keine paritätisch besetzten Aufsichtsräte in Malta für Unternehmen mit mehr als 2.000 Beschäftigten
- Vorschlag: EU Inc. auf Firmen mit maximal 500 Mitarbeitern begrenzen
Wie geht’s weiter?
- Überarbeitung des Entwurfs für die EU Inc. gefordert
- Rechtlicher Sitz soll dort sein, wo operativer Schwerpunkt ist
- EU Inc. auf Start-ups und Scale-ups begrenzen
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