Politik: Reform der Schuldenbremse in Düsseldorf
Düsseldorf () – Vier grüne Landesfinanzminister machen einen Vorstoß zur Reform der Schuldenbremse. Hintergrund ist, dass sich die von Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) eingesetzte Kommission zur Reform der Schuldenbremse nicht auf ein Konzept einigen konnte, berichtet das „Handelsblatt“.
Danyal Bayaz (Baden-Württemberg), Björn Fecker (Bremen), Gerald Heere (Niedersachsen) und Silke Schneider (Schleswig-Holstein) skizzieren in einem Eckpunktepapier eine Reform. Darin heißt es: „Fast ein Jahr nach Einsetzung der Kommission ist zu konstatieren, dass diese keine tragfähigen und innerhalb der Mitglieder konsensfähigen Vorschläge entwickeln und unterbreiten konnte.“ Deshalb brächten sie als grüne Landesfinanzminister, „die in jeweils sehr unterschiedlichen Koalitionskonstellationen agieren“, nun Eckpunkte in die Diskussion ein.
Nach dem Vorschlag der vier Finanzminister sollen Verteidigungsausgaben nicht dauerhaft von der Schuldenbremse ausgenommen bleiben. Im Papier heißt es: „Abschmelzen der Bereichsausnahme Verteidigung ab den 2030er-Jahren mit dem Ziel, so früh wie möglich ein Außerkrafttreten zu erreichen.“ Zugleich wollen sie einen leicht höheren Verschuldungsspielraum, „um verbindlich Zukunftsinvestitionen zu ermöglichen“. Die Schuldenbremse erlaubt Bund und Ländern derzeit jeweils ein strukturelles Defizit von 0,35 Prozent des BIP. Die grünen Finanzminister wollen den Wert von insgesamt 0,7 Prozent auf ein Prozent anheben. Dies soll ab 2036 gelten, wenn das 500 Milliarden Euro große Sondervermögen für Infrastrukturinvestitionen ausläuft.
Als ein weiteres Element fordern die vier Finanzminister „überjährige Notlagenbeschlüsse“. Bei Krisen wie der Corona-Pandemie könnten die Vorgaben der Schuldenbremse ausgesetzt werden, um höhere Schulden zu ermöglichen.
| Text-/Bildquelle: | Übermittelt durch www.dts-nachrichtenagentur.de |
| Bildhinweis: | Schuldenuhr (Archiv) |
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Politik - Was ist passiert – was dahinter steckt
Was ist passiert?
- Vier grüne Landesfinanzminister machen einen Vorstoß zur Reform der Schuldenbremse, nachdem sich die von Bundesfinanzminister Lars Klingbeil eingesetzte Kommission nicht auf ein Konzept einigen konnte
- Sie schlagen vor, die Bereichsausnahme für Verteidigungsausgaben ab den 2030er-Jahren abzuschmelzen und den Verschuldungsspielraum leicht auf 1 Prozent des BIP anzuheben
- Zudem wollen sie überjährige Notlagenbeschlüsse, damit bei Krisen wie der Corona-Pandemie die Regeln der Schuldenbremse ausgesetzt und höhere Schulden ermöglicht werden
Warum ist das wichtig?
- Reform der Schuldenbremse soll Zukunftsinvestitionen verbindlicher ermöglichen durch einen leicht höheren Verschuldungsspielraum
- Verteidigungsausgaben sollen nicht dauerhaft ausgenommen bleiben, sondern ab den 2030er-Jahren abgeschmolzen werden
- Erfordernis von überjährigen Notlagenbeschlüssen soll in Krisen längere Aussetzung der Schuldenbremsvorgaben ermöglichen
Wer ist betroffen?
- Danyal Bayaz (Baden-Württemberg)
- Björn Fecker (Bremen)
- Gerald Heere (Niedersachsen)
- Silke Schneider (Schleswig-Holstein)
Zahlen/Fakten?
- 0,35 Prozent des BIP strukturelles Defizit für Bund und Länder laut Schuldenbremse
- Erhöhung auf insgesamt 1 Prozent statt 0,7 Prozent; gilt ab 2036
- Sondervermögen für Infrastrukturinvestitionen: 500 Milliarden Euro; Auslaufen ab 2036
Wie geht’s weiter?
- Verteidigungsausgaben sollen ab den 2030er-Jahren schrittweise aus der Ausnahme auslaufen, mit dem Ziel eines möglichst frühen Außerkrafttretens
- Der Verschuldungsspielraum soll von insgesamt 0,7 Prozent auf ein Prozent angehoben werden ab 2036, wenn das 500 Milliarden Euro Sondervermögen für Infrastrukturinvestitionen ausläuft
- Einführung überjähriger Notlagenbeschlüsse, sodass bei Krisen wie der Corona-Pandemie die Schuldenbremse länger ausgesetzt werden kann
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