Politik - Was ist passiert – was dahinter steckt
Politik: Aufnahme Afghanischer Flüchtlinge in Deutschland
Osnabrück () – Fast die Hälfte von 2.308 in Pakistan lebenden Afghanen mit einer Aufnahmezusage aus Zeiten der Ampel-Regierung sollen nicht mehr nach Deutschland kommen dürfen. Das berichtet die „Neue Osnabrücker Zeitung“ (Dienstagsausgabe) unter Berufung auf Antworten der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linksfraktion im Bundestag.
Demnach sind seit Antritt der schwarz-roten Bundesregierung im Mai vergangenen Jahres 788 Afghanen nach Deutschland eingereist, rund 410 weitere Personen befinden sich noch im Ausreiseverfahren. Alle Zusagen nach Paragraf 22 des Aufenthaltsgesetzes für Personen der Menschenrechtsliste und des Überbrückungsprogramms aber wurden nach Auskunft der Bundesregierung mit der Begründung zurückgenommen, sie seien nicht rechtsverbindlich; es bestehe kein politisches Interesse mehr an einer Aufnahme.
„Dass die Bundesregierung die Hälfte der gefährdeten Afghaninnen und Afghanen, denen eine Aufnahme durch die Bundesrepublik Deutschland versprochen worden war, einfach fallen lässt, ist verantwortungslos, schäbig und menschlich unerträglich“, kommentierte Clara Bünger, fluchtpolitische Sprecherin der Linken, die Entwicklung. Seit Jahren seien die Betroffenen vor dem Hintergrund der geplanten Aufnahme in Pakistan mit deutscher Unterstützung untergebracht und versorgt worden. „Da kann die Bundesregierung doch nicht einfach behaupten, sie trage keine Verantwortung und die Menschen dem menschen- und frauenverachtenden Willkürregime der Taliban überlassen“, so Bünger.
Entgegen einer anderslautenden Zusage von Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU), lasse die Bundesregierung auch die Hälfte der noch verbliebenen Ortskräfte im Stich. Nur bei 81 von 218 Ortskräften und ihren Angehörigen wurden die alten Aufnahmezusagen demnach aufrecht erhalten. „Der Verweis auf notwendige Sicherheitsüberprüfungen ist ein pures Ablenkungsmanöver, denn nur in drei Prozent der Interviews haben sich aus Sicht der Behörden tatsächliche oder vermeintliche Sicherheitsbedenken ergeben“, sagte Bünger. Das erkläre also nicht die Vielzahl von Widerrufen der ursprünglichen Aufnahmezusagen auch bei den Ortskräften.
Die Linken-Politikerin forderte die Bundesregierung auf, „ihre juristische Zermürbungstaktik endlich einzustellen und alle ursprünglichen Aufnahmezusagen jetzt unkompliziert umzusetzen.“ Derzeit sind bei den Verwaltungsgerichten zahlreiche Klagen gegen verwehrte Aufnahmeentscheidungen anhängig. Zum Stichtag 31.Dezember 2025 waren seit Mai 2021 laut Bundesregierung insgesamt 37.652 afghanische Personen über die Aufnahmeprogramme nach Deutschland eingereist.
| Text-/Bildquelle: | Übermittelt durch www.dts-nachrichtenagentur.de |
| Bildhinweis: | Wichtige Teile der Bundesregierung mit dem Bundeskanzler (Archiv) |
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was ist passiert?
- Fast die Hälfte der Afghanen mit Aufnahmezusage dürfen nicht mehr nach Deutschland kommen.
- 788 Afghanen sind seit Mai 2022 eingereist, 410 befinden sich im Ausreiseverfahren.
- Die Bundesregierung hat viele ursprüngliche Zusagen zurückgenommen, ohne rechtliche Verpflichtung.
Warum ist das wichtig?
- Höhere Verantwortung der Bundesregierung gegenüber gefährdeten Afghanen
- Negative Auswirkungen auf humanitäre Maßnahmen und internationale Reputation
- Rechtliche Unsicherheiten und potenzielle Klagen könnten die Situation verschärfen
Wer ist betroffen?
- Afghanen mit Aufnahmezusage in Pakistan
- Ortskräfte und deren Angehörige
- Opfer des Taliban-Regimes
Zahlen/Fakten?
- 2.308 in Pakistan lebende Afghanen mit Aufnahmezusage
- 788 Afghanen seit Mai 2022 nach Deutschland eingereist
- 37.652 afghanische Personen seit Mai 2021 über Aufnahmeprogramme nach Deutschland eingereist
Wie geht’s weiter?
- Bundesregierung sollte ursprüngliche Aufnahmezusagen umsetzen
- Klagen gegen verwehrte Aufnahmeentscheidungen bei Verwaltungsgerichten
- Weitere Aufklärung zur rechtlichen Situation gefordert
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