Kassenärztechef sieht Gesundheitswesen kaum auf Krieg vorbereitet

7. Januar 2026
1 min Lesezeit

Kassenärztechef sieht Gesundheitswesen kaum auf Krieg vorbereitet

Vermischtes - Was ist passiert – was dahinter steckt

Gesundheitssystem und Sicherheit in Deutschland

() – Kassenärztechef Andreas Gassen hat mit Blick auf den fortdauernden -Krieg eine Anpassung des Gesundheitswesens an die angespannte Sicherheitslage gefordert.

„Auf einen Angriff mit Tausenden Opfern, nach dem zur Versorgung Verwundeter auch die Praxen gebraucht würden, sind wir nicht ansatzweise vorbereitet“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (NOZ). „Auch vier Jahre nach dem russischen Überfall auf die Ukraine gibt es kein Konzept des Bundes zur optimalen Nutzung aller ärztlichen Strukturen und zur Lösung von Problemen der Lagerung.“

Und auch wenn der KBV-Chef die Sanitätseinheiten der Bundeswehr für fachlich und technisch gut aufgestellt hält: „Als `kriegstüchtig` wäre unser gesamtes Gesundheitswesen, wie wohl das ganze Land, bestimmt nicht zu bezeichnen“, sagte er.

Ex-Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hatte wegen Russlands Krieg gegen die Ukraine schon im März 2024 ein Gesetz angekündigt, um die medizinische Versorgung in „auch für eventuelle militärische Konflikte besser aufzustellen“. Dazu ist es bis heute nicht gekommen. Über konkrete Pläne von Lauterbach-Nachfolgerin Nina Warken (CDU) ist nichts bekannt.

Besonders großen Handlungsbedarf sieht Gassen beim Schutz der Infrastruktur. „Wobei wir alle blank sind, das ist die hybride Kriegsführung, etwa wenn die Versorgung mit Strom oder Wasser unterbrochen würde. Also wo gibt es – neben den Kliniken – Standorte mit ausreichend Stromgeneratoren und Wasserversorgung, die autonom versorgt wären?“, sagte der KBV-Chef.

Die meisten niedergelassenen Ärzte in Deutschland wären für einen Einsatz in Kriegsgebieten „kaum zu gebrauchen“ und müssten auch die normale Versorgung so gut es geht weiter leisten, sagte Gassen, der selbst Notfallarzt war, weiter. „Aber womöglich könnten Reservisten aus den Kliniken im Verteidigungsfall einberufen werden. Wer könnte sie dann im Krankenhaus ersetzen?“ Seine Anregung: „Ein bundesweites, gegebenenfalls freiwilliges Register mit allen relevanten Informationen darüber, welcher Mediziner in einem solchen Fall wo und wofür eingesetzt werden könnte, wäre vielleicht sinnvoll.“

Die Kassenärztlichen Vereinigungen seien gerade dabei, einen einheitlichen Kenntnisstand zu erarbeiten. „Wir stehen hierzu im Austausch mit der Bundeswehr und hatten vor wenigen Tagen Kollegen aus der Ukraine bei uns, um von ihren Erfahrungen zu lernen“, berichtete der KBV-Chef in der „NOZ“. „Es ging um harte Fragen: Was passiert, wenn die erste Bombe fällt? Dann geht es nicht allein um die Versorgung Verletzter. Es kommt ja auch die Zerstörung der Infrastruktur hinzu.“ Besonders eindrücklich seien die Schilderungen der ukrainischen Kollegen darüber gewesen, „dass Russland neben der Zivilbevölkerung und der Infrastruktur für Energie und Wasser auch gezielt Kliniken und Mediziner angreift“.

Text-/Bildquelle: Übermittelt durch www.dts-nachrichtenagentur.de
Bildhinweis: Krankenhaus (Archiv)

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Was ist passiert?

  • Kassenärztechef Andreas Gassen fordert Anpassung des Gesundheitswesens an die Sicherheitslage wegen Ukraine-Krieg.
  • Es gibt kein Konzept zur optimalen Nutzung ärztlicher Strukturen und zur Lösung von Lagerungsproblemen.
  • Gassen äußert Handlungsbedarf beim Schutz der Infrastruktur und schlägt ein freiwilliges Register für Mediziner vor.

Warum ist das wichtig?

  • Anpassung des Gesundheitswesens an Sicherheitslage infolge des Ukraine-Kriegs notwendig
  • Fehlende Konzepte zur Nutzung ärztlicher Strukturen und Lagerung von Materialien
  • Schutz der Infrastruktur ist entscheidend für die medizinische Versorgung im Krisenfall

Wer ist betroffen?

  • Kassenärztechef Andreas Gassen
  • niedergelassene Ärzte in Deutschland
  • Reservisten aus Kliniken

Zahlen/Fakten?

  • 4 Jahre nach dem russischen Überfall auf die Ukraine gibt es kein Konzept des Bundes zur optimalen Nutzung ärztlicher Strukturen.
  • Ex-Gesundheitsminister Karl Lauterbach kündigte im März 2024 ein Gesetz zur Verbesserung der medizinischen Versorgung an, das bis heute nicht umgesetzt wurde.
  • Die meisten niedergelassenen Ärzte in Deutschland wären für einen Einsatz in Kriegsgebieten "kaum zu gebrauchen".

Wie geht’s weiter?

  • Anpassung des Gesundheitswesens an die Sicherheitslage fordern
  • Bundesweites Register der Mediziner für den Einsatz im Kriegsfall einrichten
  • Austausch mit der Bundeswehr und ukrainischen Kollegen zur Verbesserung der Versorgung
Deutsche Textservice Nachrichtenagentur GmbH

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