EU-Kommission will der Industrie länger mehr CO2-Ausstoß erlauben

17. Juli 2026
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EU-Kommission will der Industrie länger mehr CO2-Ausstoß erlauben

Politik - Was ist passiert – was dahinter steckt

EU-Politik: Emissionshandel Reform in Brüssel

Brüssel () – Die EU-Kommission will der Industrie und der Energiewirtschaft durch eine Reform des Emissionshandels deutlich höhere Treibhausgasemissionen erlauben. Damit dürfte der CO2-Ausstoß der Sektoren bis 2040 rund 30 Prozent höher ausfallen als es mit einer Fortführung des aktuellen CO2-Einsparpfades der Fall gewesen wäre. Weiteren Spielraum für die betroffenen Unternehmen soll die Integration von CO2-Speicherung in den Emissionshandel bieten.

Im Europäischen Emissionshandelssystem für die Sektoren Industrie und Energie (ETS-1) müssen die betroffenen Unternehmen pro Tonne CO2-Äquivalente, die etwa beim Verbrennen von Kohle, Öl und Gas emittiert wird, Zertifikate kaufen. Die Menge an Zertifikaten sinkt jährlich. Insgesamt ergibt sich daraus für die Industrie und die Energiewirtschaft eine feste Obergrenze für CO2-Emissionen. Die Unternehmen müssen also klimaneutral wirtschaften, sobald es keine Zertifikate mehr gibt.

Senken die betroffenen Unternehmen ihre Emissionen und damit ihre Nachfrage langsamer, als das Angebot sinkt, steigt der Preis der Zertifikate. Dadurch soll klimafreundliche Produktion zunehmend einen Preisvorteil gegenüber klimaschädlicher Produktion erhalten.

Die EU-Kommission will nun die jährliche Zertifikate-Menge deutlich langsamer absenken. Aktuell liegt die Reduktionsrate bei 4,3 Prozent, 2028 soll sie auf 4,4 Prozent. Nach dem neuen Vorschlag soll sich die Reduktion 2031 auf 3,7 Prozent verlangsamen und 2036 auf 1,7 Prozent fallen.

Bislang wurden Unternehmen kostenlos CO2-Zertifikate zugeteilt. Im Rahmen des EU-Klimapakets „Fit for 55“, mit dem die EU von einem Pfad von über vier Grad Erderhitzung auf einen Pfad umsteuerte, durch den der Klimawandel auf etwas über zwei Grad Celsius begrenzt werden könnte, wurde die kostenlose Zuteilung von Zertifikaten teilweise abgeschafft. Um Wettbewerbsnachteile auszugleichen, wurde das CO2-Grenzausgleichssystem CBAM beschlossen, eine Art Zoll auf CO2-intensive Importe.

Der Vorschlag der EU-Kommission sieht nun vor, die kostenlose Zuteilung an Unternehmen über das Jahr 2030 hinaus fortzusetzen. Bedingung für die Zuteilung kostenloser Zertifikate ist, dass das Geld in Dekarbonisierung reinvestiert wird.

„Die Emissionshandelssysteme sorgen dafür, dass Verschmutzung ihren Preis zahlt, während sie gleichzeitig die Einnahmen generieren, die wir für Investitionen in unsere Zukunft brauchen“, sagte Teresa Ribera, Exekutiv-Vizepräsidentin der EU-Kommission. Die Einnahmen aus der Versteigerung von Zertifikaten fließen in in den Klima- und Transformationsfonds (KTF) und werden damit für Förderprogramme für den Umstieg zu klimafreundlichen Technologien genutzt. Wenn ein größerer Teil der Zertifikate kostenlos vergeben wird, sinken die Einnahmen für den KTF.

Künftig soll der Emissionshandel auf internationale Flüge innerhalb eines Radius von 5.000 Kilometern erweitert werden. Auch Privatjets sollen nun einbezogen werden.

Die Reform des Emissionshandels soll durch eine Reduktion fossiler Emissionen, einen Aktionsplan zur Elektrifizierung und einem Gesetz für „zukunftssichere Stromrechnungen“ ergänzt werden. „Wir müssen schwarze, teure und umweltschädliche Moleküle durch billige, saubere Elektronen ersetzen“, sagte dazu EU-Energiekomissar Dan Jorgensen.

Der Vorschlag der EU-Kommission sieht ein Elektrifizierungsziel von 46 Prozent bis 2040 vor. Das wäre eine Verdoppelung gegenüber dem bisherigen Niveau. Dafür sollen die Steuern auf Strom künftig niedriger sein als die Steuern auf Gas. Netzentgelte sollen effizienter gestaltet werden, um das Energiesystem zu optimieren. Außerdem soll die Nutzung von intelligenten Stromzählern, sogenannten Smart Metern deutlich erhöht werden.

Text-/Bildquelle: Übermittelt durch www.dts-nachrichtenagentur.de
Bildhinweis: EU-Fahnen (Archiv)

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Was ist passiert?

  • Die EU-Kommission will den Emissionshandel reformieren und die jährliche Menge der Zertifikate langsamer senken, wodurch die CO2-Emissionen der Industrie und Energiewirtschaft bis 2040 voraussichtlich um rund 30 Prozent höher ausfallen würden als bei Weiterführung des bisherigen Pfads
  • Die EU will die kostenlose Zuteilung von CO2-Zertifikaten über 2030 hinaus fortsetzen, sofern das Geld in Dekarbonisierung reinvestiert wird
  • Der Emissionshandel soll zudem auf internationale Flüge innerhalb von 5.000 Kilometern sowie Privatjets ausgeweitet werden, ergänzt durch ein Elektrifizierungsziel bis 2040 und weitere Maßnahmen zur Umstellung auf Elektrifizierung

Warum ist das wichtig?

  • Die EU will die Absenkung der Zertifikatsmenge im Emissionshandel deutlich verlangsamen, wodurch Unternehmen bis 2040 voraussichtlich etwa 30 Prozent höhere CO2-Emissionen ausstoßen könnten
  • Durch mehr kostenlose Zertifikate und zusätzliche Möglichkeiten wie CO2-Speicherung sollen Unternehmen mehr Spielraum für den Übergang zur Dekarbonisierung bekommen
  • Eine Reform des Emissionshandels soll mit Elektrifizierungs- und Stromrechnungsplänen gekoppelt werden, um fossile Emissionen zu reduzieren und klimafreundlichere Technologien wirtschaftlich attraktiver zu machen

Wer ist betroffen?

  • Industrie und Energiewirtschaft im Europäischen Emissionshandelssystem ETS-1
  • Unternehmen, die im ETS-1 pro Tonne CO2-Äquivalente Zertifikate kaufen müssen
  • Unternehmen, denen weiterhin kostenlose CO2-Zertifikate zugeteilt werden sollen

Zahlen/Fakten?

  • 2040 soll der CO2-Ausstoß der betroffenen Sektoren rund 30 Prozent höher ausfallen als bei Fortführung des bisherigen CO2-Einsparpfads
  • Reduktionsrate der Zertifikate 4,3 Prozent; 2028 4,4 Prozent; 2031 3,7 Prozent; 2036 1,7 Prozent
  • Elektrifizierungsziel 46 Prozent bis 2040; Ausweitung Emissionshandel auf Flüge bis 5.000 Kilometer; Privatjets sollen einbezogen werden

Wie geht’s weiter?

  • Die EU will die jährliche Menge der Emissionszertifikate deutlich langsamer absenken, wodurch der CO2-Ausstoß bis 2040 voraussichtlich rund 30 Prozent höher ausfallen dürfte als bei Fortführung des bisherigen Pfads
  • Die kostenlose Zuteilung von Zertifikaten soll über 2030 hinaus fortgesetzt werden, aber nur wenn das Geld in Dekarbonisierung reinvestiert wird
  • Der Emissionshandel soll auf Flüge innerhalb von 5.000 Kilometern erweitert werden, zusätzlich sollen auch Privatjets einbezogen werden, flankiert von Elektrifizierung und günstigeren Stromsteuern als für Gas
Deutsche Textservice Nachrichtenagentur GmbH

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