Politik - Was ist passiert – was dahinter steckt
Gesellschaft und Politik in Deutschland
Berlin () – Die Vorsitzende der Lebenshilfe und langjährige Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) verweist in der aktuellen Debatte um Kürzungen bei der Eingliederungshilfe auf die NS-Zeit. Die Politik sei an einem „Scheideweg“, sagte Schmidt dem Nachrichtenportal „T-Online“. „Menschen mit Behinderung werden zunehmend als Kostenfaktor dargestellt.“
Wenn man sage, man könne sich Eingliederungshilfe nicht mehr leisten, hörten viele Betroffene: Wir können uns behinderte Menschen in dieser Gesellschaft nicht leisten. Sie erlebe, dass sich Menschen mit Unterstützungsbedarf unsicherer fühlten, so Schmidt. „Die Sprache verroht, Beleidigungen und Angriffe auf Menschen mit Behinderung steigen seit Jahren.“
Dabei würde jeder Mensch mit Unterstützungsbedarf sofort auf Eingliederungshilfe verzichten, so Schmidt – wenn die Betroffenen ohne sie selbstständig leben könnten. Da gebe es keinen Missbrauch. „Überspitzt gesagt: Keiner macht sich behinderter, als er ist.“
Wenn sich eine Gesellschaft nach rechts entwickle, richte sich das auch gegen Menschen mit Behinderung, sagte die Vorsitzende der Lebenshilfe. Bei den Nationalsozialisten seien behinderte Menschen als „Ballastexistenzen“ bezeichnet worden, Menschen mit Behinderung seien zehntausendfach ermordet worden, das sei noch keine 100 Jahre her. „Gerade in Deutschland müssen wir deshalb besonders wachsam sein. Die Politik steht an einem Scheideweg: Wenn man Rechte abbaut, entscheidet man sich gegen Inklusion.“ Wenn man sie erhalte und stärke, sei das auch ein Schritt zu mehr Demokratie.
Die ehemalige Ministerin warnt eindringlich vor den diskutierten Einsparungen. „Wer die Eingliederungshilfe kürzt, schlägt Menschen mit Behinderung die Tür zu einem menschenwürdigen Leben zu.“ Wenn Rechte abgebaut würden, verlören Menschen Selbstbestimmung. „Dann geht es schnell wieder darum, sie `unterzubringen` oder sogar in ein Altenpflegeheim abzuschieben, statt ihnen Teilhabe zu ermöglichen“, so Schmidt. „Die Aufarbeitung der Heimgeschichte zeigt, dass Einrichtungen oft auch Orte von Abhängigkeit, Verwahrlosung und Missbrauch waren. Genau dahin dürfen wir nicht zurück.“
| Text-/Bildquelle: | Übermittelt durch www.dts-nachrichtenagentur.de |
| Bildhinweis: | Ulla Schmidt (Archiv) |
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was ist passiert?
- Ulla Schmidt warnt vor Kürzungen bei der Eingliederungshilfe und verweist auf die NS-Zeit.
- Sie hebt hervor, dass Menschen mit Behinderung zunehmend als Kostenfaktor gesehen werden.
- Schmidt betont die Bedeutung von Inklusion und die Gefahren des Abbaus von Rechten für Betroffene.
Warum ist das wichtig?
- Sensibilisierung für die Rechte von Menschen mit Behinderung
- Warnung vor Rückschritt in der gesellschaftlichen Teilhabe
- Bedeutung der Inklusion für eine demokratische Gesellschaft
Wer ist betroffen?
- Menschen mit Behinderung
- Menschen mit Unterstützungsbedarf
- Gesellschaft insgesamt
Zahlen/Fakten?
- Menschen mit Behinderung wurden in der NS-Zeit zehntausendfach ermordet.
- Diskussion um Kürzungen der Eingliederungshilfe.
- Beeinträchtigung der Selbstbestimmung durch abgebauten Rechte.
Wie geht’s weiter?
- Erhalt und Stärkung der Eingliederungshilfe als Schritt zur Inklusion und Demokratie
- Wachsamkeit gegenüber Rückschritten in der Gesellschaft
- Vermeidung von Einsparungen, um das menschenwürdige Leben von Menschen mit Behinderung zu sichern
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