Politik - Was ist passiert – was dahinter steckt
Politik in Bosnien und Herzegowina
Sarajevo () – Der scheidende Hohe Repräsentant für Bosnien und Herzegowina, CSU-Politiker Christian Schmidt, fordert, dass sein Nachfolger weiterhin über weitreichende Eingriffsrechte in der Gesetzgebung verfügt. Die Realität in Bosnien-Herzegowina verlange manchmal, kantig zu sein, sagte Schmidt dem „Tagesspiegel“. Mit den Prinzipien eines Runden Tisches allein komme man nicht voran.
Er selbst habe gelernt, dass es bei der Abwägung zwischen Zuckerbrot und Stöckchen manchmal mehr Stöckchen brauche. Schmidt kritisierte damit separatistische Bestrebungen bosnisch-serbischer Politiker, die er mithilfe seiner Eingriffsrechte verhindert habe. Auch sein Nachfolger brauche diese Rechte, solange es keine nationale Gesetzgebungsbereitschaft der bosnischen Politiker gebe. Die demokratische Selbstbestimmung funktioniere erst, wenn der Revanchismus zwischen den Volksgruppen überwunden sei und es wirklich freie und faire Wahlen gebe.
Schmidt hatte im Mai seinen Rücktritt aus dem Amt angekündigt. Als Grund nannte er eine klare Erwartung der US-Regierung, dass er sein Mandat beende. Er sei dem Druck nachgekommen, weil er den Friedensvertrag von Dayton, der 1995 den Krieg zwischen Serben, Bosniaken und Kroaten beendete, gefährdet gesehen habe. „Ich habe meinen Kopf auf dem Silbertablett serviert, damit die Institutionen, die durch das Friedensabkommen von Dayton geschaffen wurden, erhalten bleiben“, sagte Schmidt.
Wer auf ihn folgt, ist noch unklar, da die Internationale Gemeinschaft sich auf keinen Nachfolger einigen konnte. Interimsweise übernimmt der US-Diplomat und bisherige Schmidt-Stellvertreter Louis Crishock das Amt. Sein Nachfolger brauche den Rückhalt aller EU-Staaten. Den habe er nicht immer gehabt. Zudem sei die starke Unterstützung der USA für das Amt in Zukunft nicht mehr sicher.
Zuvor war es zu einem Konflikt zwischen der US-Regierung und Schmidt gekommen. Als Grund gilt eine von den USA geplante Pipeline, die Flüssiggas von Kroatien nach Bosnien und Herzegowina befördern soll. Die Leitung soll durch Gebiet verlaufen, das früher dem Staat Jugoslawien gehörte und dessen Eigentumsverhältnisse nicht geklärt sind. Diese Klärung steht dem Bauprojekt aktuell im Weg. Schmidt habe die Frage in einer rechtsstaatlich einwandfreien, sauberen Weise klären wollen. Es habe allerdings nicht den nötigen politischen Willen gegeben.
| Text-/Bildquelle: | Übermittelt durch www.dts-nachrichtenagentur.de |
| Bildhinweis: | Christian Schmidt (Archiv) |
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was ist passiert?
- Christian Schmidt fordert, dass sein Nachfolger in Bosnien und Herzegowina weitreichende Eingriffsrechte behält.
- Schmidt kündigte seinen Rücktritt an, weil die US-Regierung Druck auf ihn ausgeübt hat.
- Es gibt aktuell keinen einvernehmlich bestimmten Nachfolger für Schmidt.
Warum ist das wichtig?
- Weitreichende Eingriffsrechte sind notwendig, um separatistische Bestrebungen zu verhindern.
- Der Nachfolger benötigt Unterstützung der EU-Staaten für Stabilität und Frieden in der Region.
- Ein potenzielles Scheitern des US-amerikanischen Engagements könnte die Gesamtlage in Bosnien-Herzegowina destabilisieren.
Wer ist betroffen?
- Christian Schmidt, scheidender Hoher Repräsentant für Bosnien und Herzegowina
- bosnisch-serbische Politiker
- zukünftiger Nachfolger von Christian Schmidt
Zahlen/Fakten?
- Christian Schmidt kündigte im Mai seinen Rücktritt an.
- Der Nachfolger benötigt weitreichende Eingriffsrechte in der Gesetzgebung.
- Interimsweise übernimmt der US-Diplomat Louis Crishock das Amt.
Wie geht’s weiter?
- Nachfolger benötigt weitreichende Eingriffsrechte in der Gesetzgebung
- Notwendigkeit, Revanchismus zwischen Volksgruppen zu überwinden
- Unklare Nachfolge und Unterstützung aus der internationalen Gemeinschaft unsicher
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