Thüringens Verfassungsschutzchef warnt vor "Geheimdienst-Polizei"

28. Mai 2026
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Thüringens Verfassungsschutzchef warnt vor "Geheimdienst-Polizei"

Politik - Was ist passiert – was dahinter steckt

Sicherheitspolitik in Thüringen unter Diskussion

() – Der Präsident des thüringischen Landesamtes für Verfassungsschutz, Stephan Kramer, kritisiert die jüngsten Forderungen nach zusätzlichen Befugnissen für den Inlands-Nachrichtendienst deutlich.

„Die wiederholte Forderung, den Verfassungsschutz zu einem `echten Geheimdienst` um- und auszubauen, irritiert mich zunehmend und macht mir Sorgen“, sagte Kramer dem „Redaktionsnetzwerk „. Die nachweisbaren Erfolge des Dienstes zeigten, wie real, effektiv und echt er sei. Der Verfassungsschutz sei aber aus guten Gründen ein Nachrichtendienst und solle dies auch bleiben. Ein Geheimdienst schütze die Obrigkeit vor der eigenen Bevölkerung, während der Verfassungsschutz die Grundpfeiler der Verfassung, die freiheitlich demokratische Grundordnung, schütze. Das sei ein völlig anderes und richtiges Selbstverständnis in einer Demokratie mit den historischen Erfahrungen Deutschlands.

Wenn neue operative Befugnisse Exekutivbefugnisse für den Verfassungsschutz sein sollten, sei dem klar zu widersprechen, so Kramer weiter. Es gebe ein erprobtes Trennungsgebot und eine entsprechende Aufgabenteilung mit der Polizei. Der Verfassungsschutz als Inlandsnachrichtendienst und Frühwarnsystem sei nicht als „Geheimdienst-Polizei“ konzipiert. Zur Gefahrenabwehr bei Gewalt sei in erster Linie die Polizei bestimmt.

Zwar bedürfe es beim Kampf gegen Cyberangriffe einer Nachschärfung und Aktualisierung. Wenn es aber darum gehe, Cyberangriffe aktiv zu bekämpfen oder zurückzuschlagen, wäre es zielführend, die Bearbeitung dieser Angriffe zu bündeln, indem Kompetenzen und Ressourcen sinnvoll an einer Stelle konzentriert würden. Die Verteidigung der Bundesrepublik Deutschland obliege im Verteidigungsfall der Bundeswehr. Alles andere wäre eine Änderung der Aufgaben des Verfassungsschutzes und des Konzepts der wehrhaften Demokratie durch die Hintertür.

Kramer bezweifelte zudem, dass die Mehrheit der Bevölkerung einen solchen Verfassungsschutz sympathischer fände. „Mit solch missverständlichen Diskussionen wird in den letzten Jahren hart erkämpftes Vertrauen leicht und unnötig wieder verspielt.“

Text-/Bildquelle: Übermittelt durch www.dts-nachrichtenagentur.de
Bildhinweis: Bundeskriminalamt (BKA) und Bundesamt für Verfassungsschutz (Archiv)

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Was ist passiert?

  • Stephan Kramer kritisiert Forderungen nach zusätzlichen Befugnissen für den Verfassungsschutz.
  • Er betont die Notwendigkeit, den Verfassungsschutz als Nachrichtendienst zu belassen und nicht zu einem Geheimdienst umzuwandeln.
  • Kramer warnt vor einem Verlust des Vertrauens der Bevölkerung durch missverständliche Diskussionen.

Warum ist das wichtig?

  • Stärkung des Vertrauens in den Verfassungsschutz durch klares Verständnis seiner Rolle
  • Erhalt der Trennungsgebote zwischen Verfassungsschutz und Polizei zur Wahrung der Demokratie
  • Gefahr der Erodierung der wehrhaften Demokratie durch unklare Befugnisse

Wer ist betroffen?

  • Präsident des thüringischen Landesamtes für Verfassungsschutz, Stephan Kramer
  • Bevölkerung
  • Polizei

Zahlen/Fakten?

  • Verfassungsschutz soll kein "Geheimdienst" werden
  • Trennungsgebot zwischen Verfassungsschutz und Polizei
  • Cyberangriffe sollen durch Bündelung von Kompetenzen bekämpft werden

Wie geht’s weiter?

  • Kritische Diskussion über zusätzliche Befugnisse für den Verfassungsschutz weiterführen
  • Konzept der Trennung von Verfassungsschutz und Polizei beibehalten
  • Nachjustierung im Cyberbereich nötig, jedoch ohne Ausweitung der Verfassungsschutzbefugnisse
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