Vermischtes - Was ist passiert – was dahinter steckt
Altersvorsorge-Reform in Deutschland: Kritik und Perspektiven
Berlin () – Walter Riester, der ehemalige Sozialminister und Namensgeber der Riester-Rente, hat die gerade beschlossene Reform der privaten Altersvorsorge kritisiert.
Man habe „wieder eine Chance für eine Kostensenkung verpasst“, sagte er der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. Eine obligatorische private Altersvorsorge würde seiner Ansicht nach die Vertriebskosten senken. „Die Kundenberater müssten die Anleger nicht mehr aufwendig überzeugen, dass sie die Produkte brauchen.“
Außerdem konkurriere Sparen fürs Alter mit aktuellen Konsumwünschen und Verpflichtungen. Aber „ohne privates Sparen droht eben einigen die Altersarmut, weil die gesetzliche Rente nicht für alle ausreichend ist. Und dann muss wieder der Staat mit Steuergeldern helfen.“
Riester kritisiert auch den auf ein Prozent gesenkten Kostendeckel für das Vorsorge-Standardprodukt. „Ich finde das eher zu niedrig. Ich halte eine gute Beratung bei Altersvorsorgeprodukten für wichtig, und die kostet nun mal Geld“, argumentierte er. „Wenn man die Kosten zu niedrig deckelt, wird sie kein Anbieter verkaufen und eher die anderen Vorsorgeprodukte bewerben außerhalb des Standardprodukts. Die staatliche Deutsche Rentenversicherung, die keinen Vertrieb bezahlen muss, gibt 5,2 Milliarden Euro für die Verwaltung der Renten aus, bei Beitragseinnahmen abzüglich Steuerzuschuss von etwa 280 Milliarden Euro. Das sind 1,8 Prozent Kosten.“
Der ehemalige Sozialminister verteidigte die für die bisherigen Riester-Verträge vorgeschriebenen Garantie von 100 Prozent der Beiträge und Zulagen zu Rentenbeginn und kritisierte, dass die Reform auch garantielose Produkte ermöglicht. „Beiträge und Zulagen der Sparer und der Steuerzahler sollten die Sicherheit behalten, dass zumindest in der Ansparzeit das Geld nicht verloren geht.“ Vor allem die Garantie wird dafür verantwortlich gemacht, dass die Renditen vieler Verträge so unattraktiv niedrig ausfielen.
Positiv findet Riester, dass auch Selbständige und Versicherte in berufsständischen Versorgungswerken künftig in die geförderte Altersvorsorge einbezogen werden. „Das kann übrigens ein erster Schritt sein, Selbständige in die gesetzliche Altersvorsorge zu integrieren.“ Gut sei auch, dass „die Zulagen erhöht und vereinfacht wurden“.
Er räumte ein, dass die alte Regelung verbesserungswürdig war. „Manches ist zu kompliziert. Zum Beispiel müssen Sparbetrag und Förderung vier Prozent des Vorjahreseinkommen betragen, um die maximale Förderung zu erhalten. Das musste erst aufwendig geprüft werden.“
| Text-/Bildquelle: | Übermittelt durch www.dts-nachrichtenagentur.de |
| Bildhinweis: | Strand (Archiv) |
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was ist passiert?
- Walter Riester kritisiert die Reform der privaten Altersvorsorge als verpasste Chance zur Kostensenkung.
- Er fordert eine obligatorische private Altersvorsorge zur Senkung der Vertriebskosten und verteidigt die Garantie von 100 Prozent der Beiträge.
- Positiv bewertet er die Einbeziehung von Selbständigen in die geförderte Altersvorsorge sowie die erhöhten und vereinfachten Zulagen.
Warum ist das wichtig?
- Kostensenkung der privaten Altersvorsorge könnte für mehr Menschen attraktiv sein
- Verantwortung des Staates vermeiden, indem Altersarmut durch private Vorsorge reduziert wird
- Wichtigkeit der Beratung und Sicherheit der Kapitalanlage für Sparer betonen
Wer ist betroffen?
- Walter Riester, ehemaliger Sozialminister
- Selbständige und Versicherte in berufsständischen Versorgungswerken
- Sparer von Riester-Verträgen
Zahlen/Fakten?
- 5,2 Milliarden Euro Verwaltungsausgaben der Deutschen Rentenversicherung
- 280 Milliarden Euro Beitragseinnahmen abzüglich Steuerzuschuss
- 1,8 Prozent Kosten der Deutschen Rentenversicherung
Wie geht’s weiter?
- Weiterhin Kritik an der Reform der privaten Altersvorsorge äußern
- Diskussion über obligatorische private Altersvorsorge anstoßen
- Verbesserung der Beratungsqualität und Kostentransparenz fördern
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