Wirtschaft - Was ist passiert – was dahinter steckt
Arbeitswelt in Deutschland: Leistung und Zeitwohlstand
Berlin () – Mehr als ein Drittel der Erwerbstätigen in Deutschland findet: Leistung im Job lohnt sich generell nicht. Das zeigt eine Onlineumfrage von Statista+ im Auftrag des „Spiegel“. 39 Prozent der befragten Erwerbstätigen gaben an, dass sich Einsatz nicht auszahlt. 59 Prozent sind dagegen überzeugt, dass sich Anstrengung und Ertrag entsprechen. Wer selbst leistungsbereit ist, glaubt eher an diesen Zusammenhang.
Die Befragung unter 1.000 Erwerbstätigen zeigt außerdem: Viele sind bereit, sich einzubringen – aber die Bedingungen stimmen aus ihrer Sicht oft nicht. 44 Prozent gaben an, motiviert zu sein, mehr zu leisten, als formal erwartet wird; nur etwa ein Fünftel ist dazu wenig oder gar nicht bereit. Was zusätzliche Leistung bremst, ist hauptsächlich fehlende Gegenleistung: Knapp ein Viertel nannte ausbleibende finanzielle Belohnung. Jeweils rund ein Fünftel verwies auf mangelnde Wertschätzung, die Beeinträchtigung von Lebensqualität oder zu wenig Raum für Freizeit und Familie.
Beim Verständnis von Leistung dominiert der Blick auf Qualität und Sorgfalt: Für mehr als zwei Drittel ist das entscheidend, bei den 55- bis 65-Jährigen sogar für 80 Prozent. Jüngere definieren Leistung breiter – und bewerten Qualität seltener als zentral (bei den 18- bis 24-Jährigen: 51 Prozent). Weiterbildung, Zusatzaufgaben und das Übertreffen von Zielen gehören für viele ebenfalls dazu. Spürbar ist zugleich ein hoher Leistungsdruck, besonders bei Jüngeren: 42 Prozent der unter 34-Jährigen berichteten, häufig oder stark unter Druck zu stehen. Frauen fühlen sich stärker belastet als Männer. Als wichtigste Ursache nennen 45 Prozent der Befragten eine hohe Arbeitsbelastung – etwa wegen Personalmangel oder Einsparungen.
In der Debatte über Arbeitszeit zeichnet sich ein klarer Wunsch nach mehr Zeitwohlstand ab: Zwei Drittel können sich vorstellen, ihre Arbeitszeit zu reduzieren. Bei Jüngeren sind es sogar drei Viertel. Als Gründe werden vor allem mehr Zeit für Familie, Hobbys und Erholung genannt; Pflegeverantwortung spielt nur für eine Minderheit eine Rolle. Und: Fast die Hälfte hält die Viertagewoche für ein sinnvolles Zukunftsmodell, während 41 Prozent lieber bei der Fünftagewoche bleiben. Am beliebtesten ist das klassische Fünftagmodell mit festen Zeiten (27 Prozent), dicht gefolgt von einer Viertagewoche mit gleicher Wochenarbeitszeit (23 Prozent) und der Variante mit reduzierter Arbeitszeit (20 Prozent).
Die Arbeits- und Organisationspsychologin Laura Venz von der Leuphana Universität Lüneburg interpretiert die Skepsis gegenüber Leistung als Ausdruck von Verdrossenheit und mangelnder Wirksamkeitserfahrung, nicht als Faulheit. Wer Reformen weiter mit der Annahme begründe, die Menschen würden „zu wenig tun“, verstärke eher den Zynismus. Viele erlebten, dass sich Mehrarbeit angesichts von Inflation und Krisen nicht in einem besseren Leben niederschlage. Venz warnt zudem vor dem Modell, eine Vollzeitstelle auf vier Tage zu komprimieren: Der Achtstundentag sei evidenzbasiert – dauerhaft zehn Stunden oder mehr seien ungesund.
| Text-/Bildquelle: | Übermittelt durch www.dts-nachrichtenagentur.de |
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Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was ist passiert?
- 39 Prozent der befragten Erwerbstätigen sagen, dass sich Einsatz im Job nicht auszahlt, 59 Prozent sehen einen Zusammenhang zwischen Anstrengung und Ertrag
- Viele wollen mehr leisten, nennen aber fehlende Gegenleistung wie ausbleibende finanzielle Belohnung sowie mangelnde Wertschätzung oder zu wenig Zeit für Freizeit und Familie als Bremsfaktoren
- Zwei Drittel können sich vorstellen, ihre Arbeitszeit zu reduzieren, und fast die Hälfte hält die Viertagewoche für ein sinnvolles Zukunftsmodell
Warum ist das wichtig?
- Weil laut Umfrage 39 Prozent der Erwerbstätigen glauben, dass sich Einsatz im Job nicht auszahlt; das kann Motivation und Bereitschaft, Leistung zu erbringen, senken
- Weil viele Mehrleistung ausbleibt vor allem durch fehlende Gegenleistung sowie fehlende Wertschätzung und wenig Zeit für Freizeit/Familie; das zeigt, dass Rahmenbedingungen Leistung bremsen
- Weil daraus der Wunsch nach Zeitwohlstand und Modellen wie Viertagewoche folgt; gleichzeitig wird vor Gesundheitsrisiken durch das Komprimieren von Vollzeit auf vier Tage gewarnt
Wer ist betroffen?
- Erwerbstätige in Deutschland insgesamt (39 Prozent sehen, dass sich Einsatz nicht auszahlt)
- Besonders junge Erwerbstätige unter 34 Jahren (42 Prozent berichten häufig oder stark unter Druck zu stehen)
- Frauen (fühlen sich stärker belastet als Männer)
Zahlen/Fakten?
- 39 Prozent der befragten Erwerbstätigen finden, dass sich Einsatz nicht auszahlt; 59 Prozent glauben, dass sich Anstrengung und Ertrag entsprechen
- 44 Prozent sind motiviert, mehr zu leisten als formal erwartet; knapp ein Viertel nennt fehlende finanzielle Belohnung als Hauptbremse
- 42 Prozent der unter 34-Jährigen stehen häufig oder stark unter Leistungsdruck; 27 Prozent bevorzugen das klassische Fünftagmodell mit festen Zeiten; 23 Prozent eine Viertagewoche mit gleicher Wochenarbeitszeit
Wie geht’s weiter?
- 39 Prozent sehen keinen Nutzen von Einsatz im Job, während 59 Prozent glauben, dass sich Anstrengung und Ertrag entsprechen
- Zwei Drittel können sich vorstellen, ihre Arbeitszeit zu reduzieren; fast die Hälfte hält die Viertagewoche für ein sinnvolles Zukunftsmodell
- Die Arbeits- und Organisationspsychologin Laura Venz warnt davor, Skepsis als Faulheit zu deuten, und kritisiert zudem eine starke Verdichtung von Vollzeit auf vier Tage als potenziell ungesund
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