Analyse: Hohe staatliche Nachfrage begünstigt Rüstungsinflation

12. Februar 2026
1 min Lesezeit

Analyse: Hohe staatliche Nachfrage begünstigt Rüstungsinflation

Wirtschaft - Was ist passiert – was dahinter steckt

Wirtschaft: Rüstungsinflation und Beschaffungsproblematik in Brüssel

Brüssel () – Der Ökonom und Rüstungsexperte Guntram Wolff vom Brüsseler Thinktank Bruegel befürchtet, dass die hohe staatliche Nachfrage und die Aufhebung der Schuldengrenze für Verteidigungsausgaben die Inflation bei Rüstungsgütern befeuern könnten. „Der Druck, die Verteidigungsbudgets zu verausgaben, ist groß“, sagte Wolff dem „Spiegel“. „Wenn man auf die Preise sieht, die dabei bezahlt werden, muss man sich fragen, ob die Beschaffer von allen guten Geistern verlassen sind.“

Ein Preisindex, der wie bei den Verbraucherpreisen ein Gesamtbild liefert, fehlt für die Waffenbranche. Forscher des Instituts für Weltwirtschaft haben für den „Spiegel“ die Entwicklung für ausgewählte Produkte untersucht, mit unterschiedlichen Ergebnissen.

So hat der Bund Ende 2022 noch 140 Geländefahrzeuge des Typs BvS10 für rund 2,9 Millionen Euro pro Stück bestellt. Wenige Monate später zahlte er für weitere 227 der sogenannten CAT-Vehicles je gut 4 Millionen Euro. „Das Beispiel scheint die These zu stützen, dass es Rüstungsinflation gibt“, sagte Wolff, der die Untersuchung ausgewertet hat.

Bei der Bestellung von Kampfpanzern des Typs Leopard 2 A8 ist der Preis dagegen von 29,2 Millionen pro Stück im Mai 2023 auf 27,6 Millionen Euro im Juli 2024 leicht gefallen. Allerdings bestellte Pistorius beim ersten Mal 18 Leos, beim zweiten Mal 105. Der Preis für 155-Millimeter-Artilleriemunition ist bei einer deutlich gesteigerten Bestellmenge binnen eines halben Jahres um fast 30 Prozent gesunken. Höhere Stückzahlen führen offenbar dann zu deutlich günstigeren Preisen, wenn es funktionierenden Wettbewerb gibt. Artillerie werde von verschiedenen, auch internationalen Produzenten geliefert, sagte Wolff. Außerdem haben Munitionshersteller wie der Konzern Rheinmetall frühzeitig neue Werke gebaut.

Der Bundesrechnungshof hatte im Dezember kritisiert, die Direktvergabe von Aufträgen ohne Wettbewerb begünstige Rüstungsinflation. Das Gesetz zur beschleunigten Planung und Beschaffung für die Bundeswehr, mit dem Verteidigungsminister Boris Pistorius das Tempo beim Waffeneinkauf erhöhen will, könnte dieses Problem noch verschärfen. Zuletzt hatte der Haushaltsausschuss zwei Beschaffungsvorhaben gestoppt und ebenfalls die Vergabepraxis kritisiert.

Text-/Bildquelle: Übermittelt durch www.dts-nachrichtenagentur.de
Bildhinweis: Panzer auf Lkw (Archiv)

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Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Was ist passiert?

  • Guntram Wolff befürchtet, dass hohe staatliche Nachfrage und Aufhebung der Schuldengrenze die Inflation bei Rüstungsgütern anheizen könnten.
  • Preise für Rüstungsaufträge zeigen große Unterschiede; z.B. stieg der Preis für CAT-Vehicles und sank für Artilleriemunition bei höherer Bestellmenge.
  • Bundesrechnungshof kritisiert Direktvergaben ohne Wettbewerb, die Rüstungsinflation begünstigen könnten.

Warum ist das wichtig?

  • Hohe staatliche Nachfrage könnte Rüstungsinflation befeuern.
  • Fehlender Preisindex für Rüstungsgüter erschwert Transparenz.
  • Direktvergaben ohne Wettbewerb fördern Preisanstiege.

Wer ist betroffen?

  • Rüstungsindustrie
  • Verteidigungsminister Boris Pistorius
  • Bundesrechnungshof

Zahlen/Fakten?

  • 140 Geländefahrzeuge des Typs BvS10 für rund 2,9 Millionen Euro pro Stück bestellt
  • Preis für 227 CAT-Vehicles je gut 4 Millionen Euro erhöht
  • Preis für Leoparden-Panzer von 29,2 Millionen auf 27,6 Millionen Euro gesunken

Wie geht’s weiter?

  • Diskussion über mögliche Rüstungsinflation wegen hoher Nachfrage und erhöhter Verteidigungsbudgets
  • Weitere Analyse und Überprüfung der Vergabepraxis zur Vermeidung von Rüstungsinflation
  • Notwendigkeit für einen Preisindex für die Waffenbranche und Förderung Wettbewerb bei Aufträgen
Deutsche Textservice Nachrichtenagentur GmbH

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