Politik - Was ist passiert – was dahinter steckt
Kommunale Finanzen und ihre Herausforderungen in Deutschland
Berlin () – Der Deutsche Landkreistag warnt Bund und Länder vor einem „Kollaps“ der Kommunen. Bislang sei nichts geschehen, um das wachsende Defizit der Kommunen zu bremsen, sagte der Hauptgeschäftsführer des kommunalen Spitzenverbands, Kay Ruge, der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (Freitagsausgabe).
Die Einnahmen der Kommunen wüchsen zwar leicht, aber steigende Kosten und wachsender Personalaufwand vor allem im Sozialbereich treibe die Kommunen weiter in die Verschuldung. „An der Defizitsituation der Kommunen mit Finanzierungslücken von mehr als 30 Milliarden Euro pro Jahr hat sich jedenfalls bislang nichts zum Besseren gewendet, ganz im Gegenteil: Im neuen Jahr wird sich die Finanzsituation in den Landkreisen, Städten und Gemeinden weiter zuspitzen“, sagte Ruge.
Der Landkreistag zeigte sich enttäuscht über die Gespräche zwischen Bund und Ländern über eine stärkere Beteiligung des Bundes an den Kosten der im Bundestag beschlossenen Gesetze. Die Länder hatten vom Bund angesichts eines wachsenden Defizits der Kommunen eine Kompensation gefordert, die dem Prinzip „Wer bestellt, muss bezahlen“ (Konnexitätsprinzip) gehorcht. Eine Arbeitsgruppe von Bund, Ländern und Kommunen konnte sich darauf laut Ruge bislang aber nicht einigen.
Der Bund beharre auf einer Maximalposition, sagte Ruge. Das Grundgesetz solle, darauf habe sich die Arbeitsgruppe geeinigt, nicht geändert werden. Der Bund berufe sich aber auf die sogenannte Deckungsquote, die dort vorgegeben wird und besagt, dass Bund und Länder jeweils finanziell nicht übermäßig belastet werden dürften.
In den Verhandlungen bestehe der Bund auf der Position, dass es für ihn keine Pflicht zum Ausgleich geben könne, solange der Bundeshaushalt so belastet sei wie jetzt. Ruge sagte, wenn der Bund sich von dieser Haltung nicht trenne, dann sei das „gesamte Prozedere“, auf das sich die Arbeitsgruppe vorläufig geeinigt habe, „reine Glasperlenspielerei“.
Vorgesehen ist jetzt, dass von einem neuen Gremium die Kosten eines Gesetzes geschätzt werden sollen, bevor es vom Kabinett beschlossen wird. In dem Gremium sollen Bund, Länder und kommunale Spitzenverbände vertreten sein. Die Regelung soll allerdings nur für Gesetze gelten, die mehr als 250 Millionen Euro Kosten verursachen.
Ruge lobte dieses neue Verfahren, weil die Kommunen miteinbezogen wären. „Das wäre aus unserer Sicht der größte Fortschritt des neuen Verfahrens. Das würde Transparenz schaffen, und allen muss klar sein, worauf sie sich einlassen.“
| Text-/Bildquelle: | Übermittelt durch www.dts-nachrichtenagentur.de |
| Bildhinweis: | Rathaus (Archiv) |
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was ist passiert?
- Der Deutsche Landkreistag warnt vor einem "Kollaps" der Kommunen aufgrund eines wachsenden Defizits von über 30 Milliarden Euro jährlich.
- Gespräche zwischen Bund und Ländern zur Kostenbeteiligung der Kommunen sind bisher gescheitert.
- Ein neues Gremium soll die Kosten von Gesetzen vor deren Beschluss schätzen, jedoch nur bei Vorhaben über 250 Millionen Euro.
Warum ist das wichtig?
- Warnung vor einem Kollaps der Kommunen wegen wachsender Defizite und steigender Kosten
- Unzureichende finanzielle Unterstützung durch den Bund trotz geforderter Kompensation
- Neues Verfahren zur Kostenschätzung soll Transparenz schaffen und Kommunen einbeziehen
Wer ist betroffen?
- Kommunen
- Bund
- Länder
Zahlen/Fakten?
- Defizitsituation der Kommunen über 30 Milliarden Euro pro Jahr
- Wachsende Kosten und Personalaufwand treiben Verschuldung
- Verhandlungen zwischen Bund und Ländern über Kompensation stehen still
Wie geht’s weiter?
- Bund und Länder sollen sich auf Finanzierungskompensation einigen
- Neues Gremium zur Kostenschätzung soll geschaffen werden
- Transparenz und Einbeziehung der Kommunen werden betont
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