Kirchen in Sachsen-Anhalt fürchten um Existenz unter AfD-Regierung

30. Januar 2026
2 min gelesen

Kirchen in Sachsen-Anhalt fürchten um Existenz unter AfD-Regierung

Politik - Was ist passiert – was dahinter steckt

Politik und Gesellschaft in Sachsen-Anhalt

() – Sollte die AfD nach der Landtagswahl in -Anhalt im September an die Macht kommen, fürchten die Kirchen vor Ort eine mögliche Zahlungsunfähigkeit.

„Wenn eine neue Landesregierung keine Staatsleistungen mehr zahlt und auch die Kirchensteuer ausbleibt, wären wir in weniger als einem Jahr pleite“, sagte Karsten Wolkenhauer, Kirchenpräsident der evangelischen Landeskirche Anhalts, dem Tagesspiegel.

Juristisch wäre der Entzug von Geldern ein Angriff auf die Verfassung, sagte Wolkenhauer, aber die AfD könne geltendes Recht ignorieren und die Zahlungen einfach einstellen. „Eine Verfassungsklage dauert ja voraussichtlich zwei bis drei Jahre.“ In der Zwischenzeit sei die Landeskirche zahlungsunfähig.

Der Haushalt der Landeskirche umfasst rund 20 Millionen Euro. Staatsleistungen und Kirchensteuer machten zusammen ungefähr die Hälfte aus. Das hätte zur Folge, dass kirchliche Einrichtungen nicht mehr betrieben werden könnten. „Schulen und Kitas müssten schließen, ebenso wie die Telefonseelsorge, Suppenküchen und Tafeln“, sagte Wolkenhauer, „Altenpflege und Sozialfürsorge lägen brach, mal ganz abgesehen von den Gemeinden und ihrem alltäglichen nachbarschaftlichen Engagement.“ Der Kirchenpräsident kommentierte: „Ich nehme das sehr ernst.“

Auf katholischer Seite befürchtet man Ähnliches. Bischof Gerhard Feige leitet das katholische Bistum Magdeburg. Dem Tagesspiegel sagte Feige zu den möglichen Auswirkungen: „Das ist dramatisch.“ Juristen betonten zwar, dass es rechtlich nicht möglich sei, Gelder vorzuenthalten, „aber Trump macht es gerade vor“, sagte Feige. „Es werden Fakten geschaffen und wir könnten jahrelang prozessieren, das Geld wäre aber erst einmal weg.“

Der Bischof sagte: „Für uns wären die Folgen existenziell.“ Die Staatsleistungen machten 20 Prozent im Haushalt der Diözese aus. Der umfasse rund 38 Millionen Euro. „Große Rücklagen haben wir nicht“, sagte Feige. „Sollte es so kommen, könnten wir Pfarreien, Bildungshäuser, soziale Angebote nicht mehr so betreiben.“

Wolkenhauer befürchtet zudem Auswirkungen über hinaus. Da Körperschaften des öffentlichen Rechts insolvenzunfähig seien, müsse die EKD einspringen. „Sollte in Ähnliches passieren, wären drei große Landeskirchen in Insolvenzgefahr“, erklärte der Kirchenpräsident. Hier gehe es allein bei den Staatsleistungen um insgesamt rund 70 Millionen Euro. „Das lässt sich nicht lange durchhalten, auch nicht für die EKD“, sagte Wolkenhauer. „Das Regierungsprogramm nährt den Eindruck, die AfD will die Kirchen, die Diakonie und damit die Nächstenliebe möglichst rasch abschaffen.“

Auch bei den Katholiken dürfte nicht nur Sachsen-Anhalt betroffen sein. „Bis jetzt hat man so etwas für unmöglich gehalten“, sagte Feige. „Aber das ist es nicht mehr. Wir müssen nun auch in der Bischofskonferenz darüber sprechen. Es gibt ein Notfallsystem, das greift, wenn eine Diözese insolvent wird. Da geht es aber nur um vorübergehende Hilfe. Ich hoffe, dass es zu alledem nicht kommt.“

Bei der EKD gab man sich zunächst auf Anfrage zurückhaltend. Ein Sprecher sagte dem Tagesspiegel, die Arbeit der evangelischen Kirchen komme allen Menschen unabhängig von einer Kirchenmitgliedschaft zugute. So werde etwa jeder zweite Kindergarten in christlicher Trägerschaft betrieben. „Die wichtige gesellschaftliche Arbeit der Kirchen zu beschneiden hieße: Für viele Menschen in wird das Klima kälter, Betreuung und Pflege teurer und die Wege weiter“, erklärte der Sprecher.

Text-/Bildquelle: Übermittelt durch www.dts-nachrichtenagentur.de
Bildhinweis: Magdeburger Dom (Archiv)

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Was ist passiert?

  • AfD könnte nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt an die Macht kommen, was Kirchen in finanzielle Not bringen würde.
  • Evangelische und katholische Kirchen fürchten um Staatsleistungen und Kirchensteuer, die existenziell für ihren Betrieb sind.
  • Juristische Auseinandersetzungen könnten lange dauern, während die Kirchen bereits vor Zahlungsausfällen stehen.

Warum ist das wichtig?

  • Finanzierung von kirchlichen Einrichtungen und sozialen Angeboten ist gefährdet
  • Mögliche Insolvenz von Kirchen und Auswirkungen auf die Gesellschaft
  • Rechtliche Unsicherheiten bei der Finanzierung durch neue Regierung

Wer ist betroffen?

  • evangelische Landeskirche Anhalts
  • katholisches Bistum Magdeburg
  • mögliche betroffene Kirchengemeinden und soziale Einrichtungen

Zahlen/Fakten?

  • Kirchenpräsident Karsten Wolkenhauer: Haushalt der Landeskirche rund 20 Millionen Euro.
  • Kirchensteuer und Staatsleistungen machen etwa 50% des Haushalts aus.
  • Staatsleistungen der Diözese Magdeburg: 20% des Haushalts von rund 38 Millionen Euro.

Wie geht’s weiter?

  • Finanzierung der kirchlichen Einrichtungen in Gefahr
  • Mögliche Insolvenz von Kirchen und Hilfsangeboten
  • Erforderliche Notfallstrategien werden erörtert
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