Gesundheitspolitik in Berlin: Psychotherapie-Budgetierung
Berlin () – Grünen-Gesundheitspolitikerin Paula Piechotta warnt vor längeren Wartezeiten auf Psychotherapie durch die geplante Budgetierung psychotherapeutischer Leistungen.
„Es ist sicherlich so, dass die Veränderung der Vergütung dazu führen wird, dass sich die Realität verändern wird“, sagte Piechotta dem Nachrichtenmagazin Politico. Künftig könnten Psychotherapeuten „nicht mehr ohne Weiteres mehr Therapien abrechnen“. Dadurch würden sich die ohnehin langen Wartezeiten „in vielen Regionen nochmal verlängern“.
Die geplanten Einsparungen im Bereich der Psychotherapie hält Piechotta für falsch. Zwar müsse die gesetzliche Krankenversicherung ihre Ausgaben begrenzen. Mit rund 3,8 Milliarden Euro jährlich entfielen auf Psychotherapie jedoch lediglich „ungefähr ein Prozent der Gesamtausgaben“ der gesetzlichen Krankenversicherung.
Größere Einsparmöglichkeiten sieht Piechotta stattdessen bei patentgeschützten Medikamenten. Allein dafür gebe die gesetzliche Krankenversicherung inzwischen rund 60 Milliarden Euro pro Jahr aus. „Da hätte man definitiv viel stärker reingehen müssen“, sagte sie. Entsprechende Sparvorschläge seien im Gesetzgebungsverfahren von Regierungskoalition und Bundesrat abgeschwächt worden.
Eine einfachere Ausbildung für Psychotherapeuten könne zwar helfen, mehr Fachkräfte zu gewinnen. Das löse jedoch das Grundproblem nicht. „Die müssen ja dann auch bezahlt werden“, sagte Piechotta. Angesichts der stark gestiegenen Zahl psychischer Erkrankungen müsse deshalb vor allem die Prävention ausgebaut werden.
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Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Politik - Was ist passiert – was dahinter steckt
Was ist passiert?
- Paula Piechotta warnt, dass die geplante Budgetierung psychotherapeutischer Leistungen dazu führen wird, dass Psychotherapeuten weniger Therapien abrechnen können und sich dadurch die Wartezeiten verlängern
- Sie kritisiert die geplanten Einsparungen bei der Psychotherapie, da der Bereich nur einen kleinen Anteil der Gesamtausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung ausmacht, und sieht größere Sparpotenziale bei patentgeschützten Medikamenten
- Sie fordert vor allem einen Ausbau der Prävention, weil eine einfachere Ausbildung zwar helfen kann, das Grundproblem aber nicht löst, wenn die Fachkräfte nicht ausreichend bezahlt werden können
Warum ist das wichtig?
- Längere Wartezeiten auf Psychotherapie werden durch die Budgetierung befürchtet, weil Psychotherapeuten weniger Therapien abrechnen könnten
- Einsparungen bei Psychotherapie sind laut Piechotta im Verhältnis zu den Gesamtausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung gering, während Einsparpotenzial eher bei patentgeschützten Medikamenten gesehen wird
- Prävention müsse ausgebaut werden, um das Grundproblem der steigenden Zahl psychischer Erkrankungen anzugehen
Wer ist betroffen?
- Menschen mit Bedarf an Psychotherapie in vielen Regionen mit längeren Wartezeiten
- Psychisch erkrankte Personen
- Künftige und bestehende Psychotherapeuten, deren Abrechnungsmöglichkeiten begrenzt werden
Zahlen/Fakten?
- 3,8 Milliarden Euro jährlich für Psychotherapie in der gesetzlichen Krankenversicherung
- ungefähr ein Prozent der Gesamtausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung
- rund 60 Milliarden Euro pro Jahr für patentgeschützte Medikamente
Wie geht’s weiter?
- Durch die Budgetierung könnten Psychotherapeuten nicht mehr ohne Weiteres mehr Therapien abrechnen, wodurch sich die Wartezeiten auf Psychotherapie in vielen Regionen verlängern dürften
- Statt Einsparungen bei Psychotherapie sollten größere Kürzungen eher bei patentgeschützten Medikamenten erfolgen
- Prävention muss ausgebaut werden, um das Grundproblem psychischer Erkrankungen zu adressieren
